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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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Heere vergeblich vor ihren Mauern. Ebenso tapfer vertheidigte sie sich 1707 gegen den Prinzen Eugen, aber nicht mit demselben Erfolge. Kaiser Joseph trat Alessandria an Victor Amadeus von Savoyen ab. Während des spanischen Erbfolgekriegs ward die Festung von den Franzosen erobert und wieder verloren; erst jetzt erkannte man wieder die Wichtigkeit ihrer Lage und errichtete jenseits des Tanaro, auf den Trümmern des Orts Bergaglio, eine Citadelle. Noch höher stieg ihr Werth, als Napoleon aufmerksam auf sie geworden. Seine Franzosen besetzten sie 1796, verloren sie wieder, als Moreau sich 1799 vor den verbündeten Oesterreichern und Russen nach Genua zurückziehen mußte, nahmen sie aber in Folge der Schlacht von Marengo von Neuem in Besitz. Unter sardinischem Scepter barg sie zwei Male, 1821 und 1849, österreichische Besatzung. Seit 1856, dem Jahr der politischen Einleitung zu den Zuständen Oberitaliens in der Gegenwart, widmete ihr die Regierung, ja, die ganze Nation (Nationalsubskription zu den 100 Kanonen!) ein Hauptaugenmerk. Alessandria kam zwar nicht in den Fall, die Tüchtigkeit seiner Werke beweisen zu können; doch lassen die Männer des gelehrten Kriegshandwerks dem militärischen Charakter des Platzes alle Ehre widerfahren.
Die Ebene, in welcher Alessandria liegt, gewährt von den Höhen, von welchen sie umkränzt ist, einen reizenden, gartenähnlichen Anblick. Die Anlage der Stadt selbst geschah, der Befestigung zu Liebe, in einer sumpfigen Niederung, welche zwar den belagernden Feind, aber auch den dort heimisch Wohnenden mit dem Fieber verfolgt. Schön und anmuthig ist das Innere der Stadt, mit der gemächlichen Breite der Straßen, den großen Plätzen und plätschernden Springbrunnen, stattlichen Palästen und Kirchen. Die Kathedrale Alessandria’s ist eine der gepriesensten Kirchenbauwerke Italiens. Die Mauern der Befestigungswerke sind bespült vom Tanaro, über welchen zwei Brücken führen, die alte, welche Stadt und Citadelle verbindet, und die Eisenbahnbrücke. An Verkehrsmitteln fehlt es somit der Stadt nicht; aber auch noch ehe der Dampf die neuesten schuf, war Alessandria schon einer der bedeutendsten Handelsplätze Oberitaliens, seine beiden Messen machten es zum Hauptverkehrspunkt zwischen Genua, Turin und Mailand und deren Umland. Eine alte und ausgedehnte Fabrikthätigkeit, namentlich in Gold, Silber und Seide, hilft noch immer den Wohlstand der Stadt vermehren. Daß trotzdem die Bevölkerungszahl in den letzten 10 Jahren gesunken ist (von 43,900 auf 41,600), ist lediglich von der gewaltsamen Störung verschuldet, welche die wiederholten schweren Kriegsfälle in das friedliche Getriebe des dortigen Bürgerfleißes gebracht haben.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 191. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/201&oldid=- (Version vom 8.1.2026)