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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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„Hallo! Da kommt Old Hick herab, wird Neuigkeiten aus den Territorien bringen“ – „„und Gäste aus den Jagdrevieren; die Saison ist vorüber und Old Hick ist das letzte Boot, welches von oben kommt.““ Damit begann die Unterhaltung einiger Männer, die auf der Veranda des City-Hotel in St. Joseph umhersaßen, in hölzernen Lehnstühlen ihre langenmageren Gliedmaßen balancirend, die Beine über das Geländer in die Luft streckend und in derselben Richtung emsig und mit geübter Sicherheit Ströme braunen Tabackssaftes über die vorgestreckte Unterlippe hinaussendend. Sie waren eben eines Dampfbootes ansichtig geworden, welches, den Missouri herabkommend, in großem Bogen beidrehte und Anstalt machte, an dem unter dem Hotel liegenden Werft anzulegen. Es hatte die bunteste Gesellschaft an Bord, die sich je auf einer schwimmenden Planke zusammengefunden haben mag: Auswanderer aus Iowa, mit Sack und Pack, Frauen und Kindern, die erst in Atchison aussteigen wollten, um sich in Kansas anzusiedeln. Es sind ächte Kinder der Freiheit, welche die überhand nehmende Kultur, die beengende Nachbarschaft, der unbequeme Zwang der Gesetze und staatlichen Ordnung aus ihrer eben verlassenen Heimath vertrieb, um in den neuen Territorien die Ungebundenheit des „Grenzerlebens“ wieder aufzusuchen. Die Männer in Uniform gehörten zur Besatzung von Fort Leavenworth an der Indianergrenze, ihr schwerer, mit Entbehrungen und Gefahren reichlich gesegneter Dienst ist vorbei und froh kehren sie nach dem Comfort ihrer Quartiere in den östlichen Staaten zurück. Unter ihnen ist auch ein Agent des Indian-Department, der als Führer und Dollmetscher eine kleine Gesellschaft von Häuptlingen der Sioux zu einer Vorstellung beim großen Vater in Washington begleitet. Jene anderen malerischen, wettergeschlagenen Gestalten in rothem Flanellhemde sind Holzschläger vom oberen Missouri, die den Sommer über die Dampfschiffe mit Feuerungsbedarf versorgen und nun den Ertrag ihrer harten Arbeit nach St. Louis tragen wollen, um ihn im Winter dort zu verjubeln.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 194. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/204&oldid=- (Version vom 8.1.2026)