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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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sehen“, wirft der Kentuckier ein, „wie ungeheuer der Fluß in wenigen Tagen anschwillt, wenn der warme Regen in Strömen vom Himmel herabfällt, und der Schnee, mag er so dick und hoch liegen, wie er will, im Umsehen zu Wasser wird. Dann rast die Fluth aus allen den tausend Gießbächen des Gebirgs herab, der Strom wächst, unterwäscht die weichen Ufer und vorspringenden Bluffs, bis sie herabstürzen. Drum wundert euch nicht, daß euer Missouri der schlammigste Fluß der Welt ist. Ist das Zeug nicht dick, wie Caffé mit Milch, daß man, Gott verdamm’s, nicht einmal ein Ei im Glas erkennen kann!“ „„Hätten wir doch““, wirst ein Anderer ein, „„in unserem dürren Utah den zehnten Theil eures verschmähten überflüssigen Missouriwassers, sein Schlamm sollte uns wenig kümmern. Unser Herrgott hat unserm Zion eine schwere Prüfung auferlegt; Salz, daß man ganz Amerika damit einpökeln könnte, aber keinen Tropfen guten frischen Trinkwassers; unser großer See ist von Salz so dick, daß kein Mensch, ich wette 1000 Dollars, drinnen ertrinken kann.““ „Deswegen müßt ihr Heiligen alle hängen“, spottet ein Dritter dem Mormonen zu. „„Ehe ihr selbst zu Salzsäulen werdet““, meint ein Vierter, „„so wandert aus zu uns, nach dem klaren Columbia, in dem Millionen der köstlichsten Lachse ziehen. Es gibt keinen schönern Strom in der Welt.““ Der so sprach, war ein Pelzhändler von der Westseite der Rocky-Mountains. Er hatte vom Westen aus das Hochgebirge überschritten und war in einem schwachen Kahn den ganzen Yellow-Stone-River, der das nördliche Nebraska durchfließt, bis nach Fort Union hinabgeschwommen. Als er dort, wo jener Fluß in den Missouri mündet, den Dampfer nicht mehr traf, ließ er sich auch auf diesem großen schlammigen Strom hinabtreiben und war so allein nach St. Joseph gekommen. Alle bewunderten das Wagniß. Ein Kaufmann war auf anderem Weg dahin gelangt und berichtete, wie bequem er mit der Mail-Stage volle 25 Tage ununterbrochen durch die Wüste gefahren sei, ohne irgend eine Fährlichkeit bestanden zu haben. „Binnen drei Monaten habe ich so nicht weniger als 5300 engl. Meilen zurückgelegt. Ich fuhr von St. Louis ab nach Fort Smith am Arkansas, dann südlich über den Red-River, den obern Brazos, an der Küste von Texas hin, dann westwärts über den Pecos und bei El Paso über den Rio Grande durch Neu-Mexiko, das Arizonagebiet, am Rio Gila entlang bis Fort Yuma am Colorado. Von da ging’s durch eine sehr öde Wüstenstrecke bis zum Gebirge, das wir vermittelst des Warners-Paß überschritten. Jenseit befanden wir uns auf californischem Gebiet. Von St. Louis bis St. Francisco machte ich 2651 Meilen im Postwagen, und nachdem ich mein Geschäft besorgt, kehrte ich auf demselben Weg zurück.“ Alle waren einstimmig, daß diese neue Ueberland-Post ein sehr nützliches Unternehmen sei, so lange die Pacific-Railroad noch auf sich warten ließe. Daran knüpfte der Mann von Yellow-Stone, daß die weite Gegend, welche er durchschifft habe, sich eben jetzt zu einem selbstständigen Territorium organisire, welches Dacotah getauft werden soll. Der Kalifornier fügte hinzu, daß auch er durch ein neues Gebiet gekommen sei, durch das gold- und silberreiche Arizona. Jemand von St. Joseph bemerkte, das
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 196. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/206&oldid=- (Version vom 9.1.2026)