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Bewohner zählte und zweihundert Dampfer am Werft auf dem Flusse lagen, welcher in den Tagen der ersten Ansiedler nur die Nachen der Indianer trug.

In Nordamerika treibt ein unaufhaltbarer Drang die Menschen vom atlantischen Gestade der untergehenden Sonne zu, und sie haben nicht gerastet und geruhet, bis sie das ganze Festland in seiner Breite durchwandert haben und dort angelangt sind, wo das stille Weltmeer gegen die Küsten brandet. Nachdem durch kühne Schatzgräber die Bahn gebrochen war, folgte Jahr für Jahr ein Auswandrerstrom dem andern, und ließ sich nieder, wo der grüne Wald, die fruchtbare Wiesenflur oder ein klar sprudelnder Quell ihn anlockte. Bald nahe bei einander, bald in weiten Zwischenräumen entstanden Gehöfte, die oft zu Dörfern wurden, wenn Freunde des ersten Gründers in der unmittelbaren Nachbarschaft Hütten bauten und den Boden umbrachen; an Stellen, welche für den Betrieb des Handels günstig liegen, erhoben sich Städte, von denen manche einen in der Geschichte beispiellos raschen Aufschwung nahmen. Sie reichen nun im Gebiete des „Vaters der Gewässer“, des Mississippi, von den Quellen bis zur Mündung; und von St. Pauls in Minnesota, wo vor zehn Jahren die ersten Blockhäuser errichtet wurden und heute 30,000 Bürger wohnen, bis nach New-Orleans, wird die Verbindung auf dem Strome durch Dampfer erhalten; eine ununterbrochene Kette von Ansiedelungen zieht sich vom nördlichen Red-River tausend Wegstunden weit bis an den mexikanischen Golf hinab.

Noch rascher und kräftiger ist die Entwickelung in der Richtung von Osten nach Westen gewesen. Schon vor länger als dreißig Jahren begann die Bildung von Staaten auf dem rechten Ufer des Mississippi, und die drei, welche die nördliche Abtheilung bilden, Minnesota, Iowa und Missouri, sind gerade jetzt ein Hauptzielpunkt der Einwanderer, insbesondere auch der deutschen, welche dort eine ihnen zusagende neue Heimath suchen und finden. St. Louis, die große Handelsstadt am Mississippi gleich unterhalb der Mündung des Missouri, zählt unter seinen 140,000 Einwohnern mehr als 60,000 unserer Landsleute, und ist für höheres und geistig angeregtes Leben den Deutschen weit mehr ein Mittelpunkt als New-York oder Cincinnati. Bevor ein Jahrhundert vergeht, wird diese Stadt eine der größten Kapitalen der Welt sein, gleichsam das Herz, von welchem alles Land in dem ungeheuern Stromgebiete, das nahe an 20,000 engl. Meilen schiffbarer Gefließe enthält und mehr und mehr von einem Netze zusammenhängender Eisenbahnen überzogen wird, seine Lebenswärme erhält und in dem alle Strömungen des Verkehrs zusammenlaufen. Die natürlichen Bedingungen dafür sind gegeben und der Gang der Entwickelung im Westen drängt mit Nothwendigkeit darauf hin, daß ein großartiger Mittelpunkt für Austausch und Verkehr gerade an jenem Punkte sich bilden muß. St. Louis liegt 900 engl. Meilen von der Bundeshauptstadt Washington, 1300 Meilen von der Mündung des Mississippi, 732 Meilen von St. Pauls, dem Punkte, wo der Strom schiffbar wird; die großen Bahnstränge von Osten her laufen strahlenförmig auf die Stadt zu,