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Riva am Gardasee.




Die Wälder und die Wasser rauchen,
Die Nebel rollen niederwärts,
Nur durch des See’s verklärte Augen
Blick’ ich hinab bis in sein Herz.

Die Fische seh’ ich tief im Grunde
Lustwandeln in der grünen Au,
Und heiter schaut des Himmels Runde
Ihr Wolkenspiel im dunklen Blau.

Der Morgen webt die Nebel lichter,
Und plötzlich schweben ob dem See
Der Unterwelt erstandner Dichter
Und trauernd eine schöne Fee.

„Sprich, Dante, wird im Fegefeuer
Auch eines Volkes Seele rein?“ –
„„Sie wird es, doch ein Ungeheuer
Spinnt sie in dunkle Netze ein.““

„„Willst für dein Volk du Heil erflehen,
So höre, erst durch ärgste Noth
Kann es zum Geistes-Licht erstehen:
Licht ist des Ungeheuers Tod!““ –

Wohl schwingt ihr Blick sich auf zur Höhe:
„Wenn Noth hilft, ist Erlösung nah’!“
Doch bleibt es Nacht, und „Wehe! Wehe!“ –
Versinkt die Fee – Italia.

Diese Erscheinung habe ich auf dem Gardasee erlebt, als mich der Dampfer von Desenzano nach Riva trug. Es war vor dem Kriege von 1859. Auf der Halbinsel des Catull, den drei Felsenhäuptern von Sermione, flatterte noch das Banner Oesterreichs, und Tyrol grenzte noch nicht an Sardinien. Seitdem weckte noch einmal Kanonendonner die klagende Fee des Garda, französische Rothhosen winkten ihr zu, und zweier Kaiser Heere spiegelten sich vor ihr in den Fluthen. Und abermal floh sie zu Dante, dem Kundigen der Unterwelt und der Zukunft. Wohl hat er ihr einen guten Rath ertheilt, denn er kennt von Allen die Ahnen, die in der Hölle sitzen, und schätzet mit Gerechtigkeit die Bäume nach ihren Früchten. Nach der Orakel Art hat der Dichter seine Gedanken in dunkle Verse gehüllt, die da heißen:

     Sover und Ora kämpften nie,
Des Süds und Nords beschwingte Geister;
     Das Gute dort, das Schöne hie,
In Einem ist je Einer Meister:
     Die Alpen ehr’, wie sie dich ehren,
     Und hüte, Zee, dich vor zwei Scheeren.