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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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Schritte mit der Macht derselben. Bekanntlich sind beim Aufgang der Geschichte von Tyrol die Namen der Grafen von Andechs die gefeiertsten. Der rechte Glanz kam aber erst mit Meinhard I., Grafen von Görz und Tyrol, über diese Herren, die sich aus der königlichen und kaiserlichen Dienstbarkeit zur selbstständigen Fürstenwürde erhoben hatten. Die nahen Burgen Schloß Tyrol und Zenoberg sahen schon damals hohe Pracht in ihren Mauern, und von all dem Schimmer fiel der einträglichste Widerschein auf die Stadt zurück, die allgemach, wie sie gleichsam den Kern der ringsum an den Höhen hangenden Burgen und Schlösser bildete, ebenso der Mittelpunkt und Sammelplatz alles gemeinsamen Lebens nicht bloß der nächsten Thäler, sondern der ganzen Grafschaft Tyrol wurde.
Die goldene Periode des Meraner Lebens fällt in das 14. Jahrhundert und umfaßt die Regierung Meinhards II., des ersten Grafen, in welchem ganz Tyrol seinen Gebieter erkannte, ferner die seines Sohnes Heinrich, der sich König von Böhmen nennen ließ, endlich die seiner einzigen Tochter, der vielberufenen Margaretha Maultasch, und der festlichste Tag Meran’s war die zweite Vermählung derselben mit dem Markgrafen Ludwig von Brandenburg und der Lausitz, nachdem sie, wie der geistreiche Tyrolfahrer Steub erzählt, „Herzog Hansen von Luxemburg, dessen untüchtiger Liebe sie nicht froh werden konnte, davon gejagt.“ – An jenem 10. Hornung 1342 war es, wo die Laubengasse von Meran ihre vornehmste Pracht sah, denn da ritten zwischen ihren staunenden Häusern im volkumwogten Zuge dahin der deutsche Kaiser, der Markgraf von Brandenburg, die Herzoge Ludwig der Römer und Stephan von Bayern, zwei Herzoge von Teck, die Bischöfe von Augsburg, Regensburg und Freising, zwei Grafen von Schwarzburg, darunter der edle Günther, welcher später als Gegenkönig zu früh für Deutschland starb, dann noch eine ganze Cavalkade von Grafen und Rittern aus Deutschland und Wälschland, und als die schönste Zierde des ganzen Zugs in dessen Mitte die blühende Braut von Tyrol. So ritten sie zum „Hauptschloß“ Tyrol hinan, wo das fürstliche Beilager Statt fand. Der einzige noch vorhandene Zeuge dieser hohen Festlichkeit ist der graue mächtige Thurm, in welchem sie geschah.
Es ist natürlich, rein menschlich, nicht bloß fürstlich, daß einem Orte, wo man so viel Liebes erlebte, auch viel Liebes angethan wurde. Und diese Liebe schmückte die kleine Stadt mit Allem, was sie noch Sehenswerthes besitzt, und überhäufte sie mit Rechten, Vorrechten, Wohlthaten und Reichthümern, die, soweit sie nur Geschenke der Gunst waren, mit den Tagen der Herrlichkeit auch wieder vergangen sind. – In jener frohen Zeit entstand das wohlbedachte Stadtspital, die Münze, das Gebäude der fürstlichen Hofhaltung, welches noch heute seinen alten, ein sehr wesentliches altgermanisches Bedürfniß andeutenden Namen des „Kelleramtes“ führt, ebenso das Kloster der Klarissinnen und die schöne Stadtkirche (1310–1335 gebaut), die sich des höchsten Thurms in ganz Tyrol rühmt. Dazu hatten die Landtage und Jahrmärkte hier ihren Sitz, die verkehrreichsten Straßen führten
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 221. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/231&oldid=- (Version vom 9.1.2026)