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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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hierher: kurz, für Verdienen und Verthun, für Arm und Reich, für Fromm und Froh gab es in der südlichen Alpenwelt keine gemachtere Stätte, als Meran.
Im Jahre 1363 ward Oesterreich Herr in Tyrol. Mit dem mächtigeren Gebieter betrat es eine ernstere Bühne, auf welcher sein Geschick sich fortan reicher an Kämpfen und Leiden abspielen sollte. Da ging auch die Rolle der Fröhlichkeit und Wonne von Meran zu Ende. Herzog Friedel (Friedrich mit der leeren Tasche) erhob Innsbruck zur Landeshauptstadt, und kaum war Meran dieser erste Reif vom schimmernden Haupte genommen, so verlor das Unglück die Scheu vor ihm und brach um so toller durch die fertige Bresche ein. Was half’s nun, daß die Stadt aus dem Aschenhaufen, in welchen der ergrimmte Hans von Luxemburg sie 1347 verwandelt, sich herrlicher wieder erhoben hatte? Jetzt machte sich der Wildsee des Passerthales die neue Gelegenheit zuerst zu Nutze, seine Fluthen zerstörten einen großen Theil der lustigen Wohnungen und erfüllten die übrigen mit Noth und Trauer. Dann raste der Engadiner Krieg (1499) durch das Thal, die Passer kam wieder, 1503 und 1512, mit noch wilderen Ueberschwemmungen, als wenn sie der Reformation Bahn brechen wollte; aber die Sturmwogen Beider wurden endlich eingedämmt und abgesperrt. Und nachdem die Stadt Alles verloren hatte, woran einst ihr Herz und ihr Glück gehangen, die Fürsten, die Landtage und den zahlreichen Adel, nachdem die Münze nach Hall gezogen und durch neue Straßenzüge selbst die Bedeutung der Jahrmärkte geschwunden war, mußten die Spanier aus Italien auch noch die Pest herbeischleppen, um dem Thale das Beste zu nehmen, was es von je und immer hatte, seine stattlichen Menschen.
Gottlob, daß ist das Einzige, was dem Unglück nicht gelang. Und diesen Menschen, nicht dem fürstlichen Gemäuer, grauem Bauwerk und sonstigem Alterthum zu Liebe eilen wir jetzt in die Stadt, wie sie die Gegenwart und unser Bild uns zeigt.
Dem Wanderer lacht das Herz, wenn er von Weitem der Stadt naht; und wenn er vor ihr steht und dreht sich frohlockend auf dem Absatz herum, so fliegt das bilderreichste Panorama an seinem Auge vorüber: das Dorf Tyrol auf dem Mittelberg, über ihm das „Hauptschloß“, das dem Lande den Namen gab, daneben die alte Pfarre St. Peter und der Durnstein, dies Alles überwölbt vom hohen Partschins; weiter die Gegend von Obermais, wo, reich an Burgen und Geschichten, der Rahmen der Landschaft die Dörfer und Fluren von Schöna und Freiberg mit ihren Schlössern einfaßt, über welchen das Kirchlein Katharina in der Schart thront und der Isinger Alles überragt; weiter, vier Stunden lang, streckt die reizende Ebene sich üppig zwischen den schönsten Bergen hin bis zum Vigilijoch.
Die Stadt Meran besteht eigentlich nur aus einer Hauptgasse, die Laubengasse genannt, an die sich am unteren Ende die Quergasse des Rennwegs anschließt, hat nur zwei Plätze: den Kornplatz und den
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 222. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/232&oldid=- (Version vom 9.1.2026)