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Die Laubengasse Meran’s charakterisirt den Ort und sein Leben. Lauben nennen sie dort die Bogengänge (Arkaden), welche sich längs der Gasse hinziehen und die sich vor denen anderer tyrolischer Städte auszeichnen; sie sind nicht nur länger und offener und laden so freundlich zum Lustwandeln bei Sonnengluth und Regenwetter ein, sondern sie beschatten auch die gemüthlichen Batreien, d. h. die Sitze und Plätze für die bildschönen Verkäuferinnen und ihre reizenden Früchte. Es ist hier schon südlicher Anhauch; man stellt das Schönste in’s Freie und ängstet sich nicht besonders um nordische Wohnlichkeit des Hauses, und wie nicht die Luft der Stube, sondern die vom Athem des eisigen Gebirgs und der warmen Thäler hier zusammenfließende das Menschenkind umweht, so ist auch Milde und Frische das Vorherrschende im leiblichen und geistigen Wesen des Volkes. Auch hier birgt die deutsche Natur noch einen Schatz für die Zukunft, auf den sie um so stolzer sein darf, weil dieses körnige Bauernvolk im Burggrafenamte, wie es umgeben von einem Kranze hoher Schneeberge in der warmen grünen Tiefe lebt, unter dem heißen italienischen Himmel, in der schmalen Ebene, die wie ein Herd erscheint, um Hitze auszukochen, von allen deutschen Stämmen, die einst mit gezücktem Schwerte über die hohe Wand der Alpen nach den Südländern gestiegen, der letzte Rest germanischer Zunge ist, der unter Feigen- und Mandelbäumen Haus hält. Ja, hier im oberitalienischen Paradiese an der Etsch sitzt noch die ganze Gefolgschaft hochstämmiger Recken in urkräftiger Deutschheit beisammen, immer noch abweisend und schroff gegen den wälschen Nachbar, wie vor anderthalb Jahrtausenden.

Möge dies denjenigen Deutschen, welche gegen das nach Freiheit schreiende Ausland allezeit so gefällig und freigebig sind, nicht ganz entgehen! Es ist im Norden wie im Süden unseres Vaterlandes: auf den letzten Hufen wohnen die treuesten Söhne; aber in der weiten Mitte, fern von den Schrecknissen der Gletscher und der Brandung, da, wo wie ein Garten das Land zu schauen ist, haben jene Treuen schon so oft vergeblich nach derselben Treue gesucht. Möge nicht das Schicksal von Schleswig sich in Südtyrol wiederholen!