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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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zu einander zu führen, die Solidarität aller humanen Interessen zu fördern, – das sind die weiter verfolgten Ziele ihrer rast- und schrankenlosen Thätigkeit auf beiden Hemisphären.
Noch hat es in diesem civilisatorischen Eroberungstalent keiner dem Stamm der Angelsachsen gleich gethan, und unaufhaltsam haben sich ihre Siege über die Welt ausgebreitet und jeglichen Widerstand bewältigt, den beschränkter Nationalgeist, starres Abschließen gegen außen, despotisches Niederhalten des aufstrebenden Menschengeistes ihnen entgegengesetzt haben.
Das absolut größte Werk öffentlichen Nutzens, ein Riesenwerk an Kühnheit der Idee und Aufwand von Kraft, und der Amerikaner höchster Stolz ist der Eriekanal, der größte künstliche Schifffahrtsweg der Welt. Ein amerikanischer Schriftsteller vergleicht das Ereigniß seiner Vollendung mit dem der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Es war in der That ein so großer Triumph des großen Volkes über die Hemmnisse, welche die Natur seiner materiellen Entwickelung in den Weg gelegt hatte, wie die Bewältigung der politischen Fesseln, mit denen der englische Löwe die ausgewachsenen Schwingen des jungen Adlers gebunden halten wollte. Dort, im Herzen des Landes, lagen die großen Binnenmeere des Erie, Hudson, Ontario, Michigan und Superior, umgeben von undurchdringlichen Forsten des herrlichsten Bauholzes, von unabsehbaren Flächen des fruchtbarsten Bodens, von allen Elementen zu der größern produktiven menschlichen Thätigkeit, aber nutzlos, wegen des Mangels einer Straße, auf der die Erzeugnisse jener Landestheile nach den atlantischen Märkten gelangen konnten. Zwischen dem nächstgelegenen Ufer des Erie und den schiffbaren Gewässern des Hudson drängten sich Berge, Flüsse, Sümpfe, Felsen und Schluchten, welche unübersteigliche Hindernisse einer Verbindung darzubieten schienen. Jedoch das Genie eines Mannes, des unsterblichen Dewitt Clinton, erkannte die Mittel und besaß den Muth, diesen ungleichen Kampf mit der Natur zu wagen; seiner Energie, Klugheit und Ausdauer gelang es, ein ganzes Volk für seine Idee zu überzeugen, zu gewinnen und zu begeistern, und mit dessen Hülfe das große Werk zu vollbringen, welches dem Handel ganz Nordamerika’s neuen Impuls verlieh, seiner Kultur neue Bahnen vorzeichnete und dem Unternehmungsgeist seiner Bürger eine neue Aera eröffnete, welcher seitdem unbemessenen Wohlstand in’s Land getragen und seine Bevölkerung um Millionen gemehrt hat. Dies ist die That, auf welche die Amerikaner mit Recht so stolz sind; nicht die Titanenarbeit, welche die Felsen durchwühlte und Seen auf den Bergen schuf, nicht einmal die Millionen Dollars, welche der Erfolg in den Taschen der Spekulanten anhäufte, werden daneben genannt.
Jetzt wird der große künstliche Fluß nur noch von Denen befahren, welche ihr Geschäftsinteresse in Begleitung ihrer Schiffe und Ladungen auf ihm entsendet; mit der Eröffnung der großen Eisenbahnlinie nach dem Westen hat sich der Reisenden-Verkehr dem Eriekanal entzogen. Wir lassen uns, um an Ort und Stelle unserer Veduten zu gelangen, von einer der Kanalbootflottillen geleiten, welche man täglich, dicht geschaart um einen keuchenden Schleppdampfer, von Newyork aus sich in Bewegung setzen sieht.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 228. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/238&oldid=- (Version vom 9.1.2026)