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Lockport, einer italienischen Stadt ähnlicher als einem neuen, erst kürzlich aus der Wildniß aufgeschossenen amerikanischen Flecken, hat seinen Namen von den großen Schleußen, welche dort aus dem Felsen gehauen sind. Diese tiefen Durchschnitte, meint mein amerikanischer Freund, seien eben so bewundernswürdig, als die Tempel auf Elephanta oder die ausgehauenen Felswohnungen der alten Peträer. Zum Vortheil der ersteren bezeichnet er den Unterschied zwischen den großen Werken des Alterthums und der modernen Kunst darin, daß jene zu Denkmälern menschlichen Stolzes oder religiöser Kulte, während die ihrigen nur öffentlichen Wohlfahrtszwecken bestimmt seien. Jene wären die Ergebnisse physischer Kraft und Geduld, während diese mehr mit dem Geist als den rohen Werkzeugen geschaffen seien. Hier haben Wissenschaft und Ingenieurgeschick das Werk vollendet, während dort Armeen von Arbeitern dabei geopfert und eine Reihe von Menschenaltern aufgeboten werden mußten. Und in der That, der junge und kleine Staat Newyork allein kann großartigere Bauten öffentlichen Nutzens aufweisen, als das gesammte Alterthum, so sehr dieses sich auch mit seinen Tempeln und Triumphbogen brüsten mag.

Als im ersten Decennium dieses Jahrhunderts Clinton und Morris, die großen „Feldherren des Friedens“, wie sie der Newyorker Geschichtsschreiber nennt, das Projekt des Eriekanals in Anregung brachten, hielt selbst der kühne Jefferson, damals Präsident, dasselbe für voreilig und vorzeitig. Die Bundesregierung verweigerte Theilnahme und Unterstützung. Erst durch die lebhafteste unermüdlichste Agitation konnte die öffentliche Meinung nach und nach für das große Unternehmen gewonnen werden und der Eriekanal wurde zur brennenden politischen Frage, mehr noch als heut zu Tage die Eisenbahn nach dem stillen Ocean. Die Macht der Idee und die Stärke ihrer Partei siegten nach langen harten Kämpfen in der gesetzgebenden Versammlung des Staates Newyork, und 1808 wurde eine Regierungskommission mit der Prüfung des Planes beauftragt, welche nicht nur die Ausführbarkeit desselben bestätigte, sondern auch ergab, daß der Eriekanal zu einem Netz von Nebenzweigen und Seitenkanälen ausgesponnen werden könne, welches alle südlichen und nördlichen Grenzgebiete mit einander in Verbindung zu bringen geeignet sei. Mit dieser erweiterten Anschauung wurde nun das riesenhafte, die Verkehrsverhältnisse der Staaten gänzlich umgestaltende Unternehmen aufgenommen und endlich, am Unabhängigkeitsfeste 1817, geschah der erste Spatenstich zu dem großen Werk. Nach zwei Jahren schon war der ganze mittlere Abschnitt des Kanals beendigt, und wie hervorgezaubert stiegen auf seinen Ufern, inmitten einer durchaus wüsten und wildbewachsenen Gegend, neue volkreiche Städte empor. Im Jahre 1821 rückten gleichzeitig die beiden anderen Abschnitte von Westen und Osten vor und die Schifffahrt ward vom Schenektady bis zum westlichen Ende der mittleren Abtheilung eröffnet. 1822 waren schon 116 engl. Meilen schiffbar und 1825 war der ganze Kanal mit der Mehrzahl seiner Zweiglinien beendigt. Colton’s Denkschrift darüber schließt mit dem emphatischen Ausruf: „Im Augenblicke, während ich schreibe, ertönt der Kanonendonner, welcher verkündet, daß das erste Boot aus dem Eriesee die erste Schleuße des Eriekanals passirt hat, auf seinem neuen, 513 Meilen langen Weg