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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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Liegen auch, Gott und der Vernunft sei Dank, die Tage auf Nimmerwiederkehren hinter uns, wo Pfaffenschlauheit und Uebermuth der gesammten Christenheit Arm und Kopf regierten, wo auf Roms Posaunenruf die Blüthe der Nationen sich das Kreuz auf das Gewand heftete und Haus, Hof und Vaterland verließ, um das Schwert in’s ferne Morgenland zu tragen und die Wohnplätze des Friedens zu Stätten 200jährigen Blutvergießens umzuwandeln; ist auch die Zeit vorbei, wo auf den Straßen nach dem heiligen Lande die wallenden Pilgerschaaren sich drängten und die geweihten Wasser des Jordan von den Osterkarawanen frommer Badenden, die gleich dem Erlöser die Taufe begehrten, über ihre Ufer traten; sind die zahlreichen Quellen auch versiecht, im Thale Josaphat und allerwärts, aus denen den Gewissen der Gläubigen ewige Sündenvergebung und – der römischen Kirche Macht und Schätze sprudelten, so schlägt doch noch jedes geläuterte Christenherz inbrünstig vor Ehrfurcht, wenn der Fuß den Spuren folgen kann, welche der Edelste unseres Geschlechts einst gewandelt, und treibt eine vollberechtigte Sehnsucht Jahr für Jahr Viele zu den Orten, von wo aus das Gestirn reinster Menschenliebe seine leuchtende Bahn über den Erdkreis zog und die Fluth neuer, die Welt beglückender Ideen sich über die nachgeborene Menschheit ergoß. Und solche hohe symbolische Bedeutung wird ihnen bis in die fernste Zukunft bleiben, länger als das Interesse des Geschichtsforschers oder Naturfreundes. Auch in der Zeit der hellsten Erleuchtung und aufgeklärtesten Kritik, nachdem die erhabene Erscheinung des Nazarener Weisen alles Uebermenschlichen entkleidet sein wird, was Mystik und Poesie ihm angedichtet haben, wird dennoch der Kultus mit dem Vollkommensten unseres Gleichen bestehen und den Freund und Verehrer wahren Menschenthums als Wallfahrer nach den heiligen Stätten entsenden, wo jetzt die Gläubigen der drei Hauptreligionen, Christen, Juden und Mohammedaner, jeder zu seinem Vermittler mit dem Himmel betet, ein jeder ihm heilige Symbole, Erinnerungen, Reliquien verehrt. Das Land Israel bleibt für immer die Wiege der Kultur, von welcher der Menschengeist seine Befreiung aus den Fesseln des Aberglaubens datirt.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 238. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/248&oldid=- (Version vom 9.1.2026)