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Drei kleine Tagereisen vom Damaskusthore der heiligen Stadt, in der Richtung über die Ebene von Samaria, bringen den Pilger nach den paradiesischen Blumen- und Getreidegefilden von Jesreel, von den schöngestaltigen Höhenzügen umfaßt, aus denen der Berg Tabor hervorragt, der Berg im Hintergrunde unseres Bildes. Das Auge weidet sich an der Ueppigkeit des Thalbodens, welche die hohen Halme unter den buntfarbigsten Jonquillen und Narzissen hervortreibt, ohne daß Jemand säet oder ein Schnitter zur Ernte sich einfindet. Schafe, Ziegen und Rinderheerden weiden da, wie zur Zeit der Erzväter, zwischen den Zelten der Beduinen. Der altberühmte Kison wälzt durch diese Gefilde seine schlammigen Fluthen, jenseits dessen man eine allmählig ansteigende Höhe überschreitet, und, die große von Aegypten nach Damaskus führende Karawanenstraße kreuzend, in das enge Thal hinabsteigt, an dessen Oeffnung das alte biblische Nazareth erscheint. Das heutige En-Nasirah ist eine schlichte, wohlgebaute Stadt, mit flachen Dächern, ohne die im Morgenlande gewohnten Minarets und Kuppeln. Die Zahl der jetzigen Einwohner beträgt 3000, ein Gemisch aller Glaubens- und Bekenntnißformen; nur Juden trifft man nicht. Die wohlhäbigen, aber sehr zuvorkommenden Franziskaner des lateinischen Klosters dienen den Fremden gern als Ciceroni nach der Kirche und Grotte der Verkündigung, dem Haus des heiligen Joseph, dem Brunnen der Maria (im Vordergrunde unseres Bildes), der Grotte mit dem Tisch des Herrn, dem Felsen, von dem Christus so wunderbar der Gefahr des Hinabgestürztwerdens entging, und begleiten ihre Schilderungen mit so minutiösen Einzelheiten, als wären sie selbst Augenzeugen von allem dem hier Geschehenen gewesen. Daß diese Frommen die Einwendungen eines Skeptikers gegen die Aechtheit ihrer Aussagen nicht aufkommen lassen, versteht sich von selbst, ja sie bezeichnen ihm mit dem feierlichsten Ernste den gebenedeiten Ort, an dem das Haus der Maria gestanden habe, bevor es vorsichtige Engel vor der Kriegsgefahr der Ungläubigen nach Loretto flüchteten.

Kaum eine andere Gegend des Erdbodens hat so viel Krieg und Blutvergießen gesehen, als Nazareth, das einstige Asyl des erhabenen Friedensspenders, im Umkreis weniger Meilen. Von Josua und Gideon bis auf Nebukadnezar und Alexander, von den römischen Kaisern bis auf Saladin und den Kriegsfürsten unserer Zeit, Napoleon I., sind die Umgebungen Nazareths, besonders die Thalebene Jesreel, Zeuge großer entscheidungsvoller Kämpfe gewesen; 1799 schlug sich Junot dort mit den Türken und bald darauf lieferten Napoleon und Kleber einem türkischen Corps von 25,000 Mann eine siegreiche Schlacht.