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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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„Einst die Kornkammer Roms, jetzt oft selbst Mangel leidend; Wüsten statt bebauter Felder, kahle verbrannte Strecken statt baumreicher Haine und umgestürzte Säulen und Tempel als einzige Gegenstände der Aufmerksamkeit, Forschung und Bewunderung, während die Gegenwart nichts bietet als schwarze, sich über das Ganze hinlagernde Schatten, damit das Bild durch den Gegensatz nur noch dunkler und erschreckender werde! Woher dieser unselige Verfall?“ – – F. v. Raumer.
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Im lichten Abendschein eines südlichen Frühlingstages standen wir auf dem Deck unseres kleinen Dampfers, der rüstig die glatten tiefblauen Wellen durchpflügte, und hefteten unsere Blicke auf die am Rande des Horizontes scharf sich abzeichnende Westküste Siciliens. Unsere Sehnsucht hätte so gern den Räderschwung des Schiffs beflügelt, denn wir konnten den Augenblick nicht erwarten, die schöne Trinacrie, die „dreigezackte“ Wiege der hellenischen Götter, die Ernährerin der weltherrschenden Roma, die Geliebte der Araber, wie der deutschen Hohenstaufen lockende Sirene, – diese beklagenswerthe Insel zu betreten und die Spuren aufzusuchen, welche die Herrschaft von zwölf Völkern, dreien Welttheilen entstammt, in den letzten drei Jahrtausenden ihr hinterlassen hat.
Da schwankte das Boot hart um die Spitze einer Landzunge, im glühenden Abendroth lag Trapani vor uns in sicherer Bucht, hinter ihm erhob der mythenreiche Eryx, der Parnaß Siciliens, sein gekröntes Haupt – wir standen versunken in den überraschenden Anblick; noch ein paar Ruderschläge, und wir lagen im Hafen, der Anker rasselte nieder und die königlichen Zollbeamten überstiegen die Ballustrade des Boots, ihre quälende, unsere Geduld auf die Probe stellende Arbeit zu beginnen. Die von Neapel her uns verhaßten Uniformen, die lästigen inquirirenden Fragen, zu welchen eine dünkelhafte Polizei sich überall befugt glaubt, zwangen unsere Gedanken bald in eine andere Richtung, als die Bewunderung der uns umgebenden Naturreize, und mit der historischen Bedeutung des nahen Leuchtthurms (Scaglio del mal Consiglio), welcher die Versammlungen der Verschworenen der sicilianischen Vesper unter Procida’s Anführung beherbergt hatte, drängte sich das düstere Bild vom Schicksal der schönen Insel und dem Jammerzustand seiner Bewohner unabweislich vor die Seele. Die Laune der Beamten ließ uns
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 242. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/252&oldid=- (Version vom 9.1.2026)