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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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Macht des Statthalters nicht gewachsen, nach dem nahen Tunis, wo Hassan, der fast unabhängige Emir des Khalifen Mamun, herrschte. Schon lange mit gierigem Auge die schöne Insel betrachtend, willfahrte er gern den Bitten des Euphemius um Beistand, und übergab ihm 40,000 seiner Krieger unter Führung seines Feldherrn Alhakem, welche mit Hülfe spanischer Araber in wenigen Jahren ganz Sicilien eroberten. Allein Euphemius sollte die Früchte seines Verraths nicht genießen, seine übermächtigen Bundesgenossen hatten die lockende Beute nicht für ihn erobert, sie wollten, ungeachtet aller glänzenden Versprechungen, aller Drohungen der Griechen, nicht weichen, und nach einer scheinbaren Versöhnung, bei der Belagerung der letzten Griechenveste, Syrakus, wurde Euphemius von Alhakem hinterlistig erdolcht. Nun war der Christen Herrschaft in Sicilien erloschen, und fast dritthalb Jahrhunderte triumphirte dort der Halbmond über das Kreuz; aber man muß gestehen, es war eine der glücklichsten Zeiten der Insel, als ihre Herrscher Allah und Mohammed, seinen Propheten, anriefen. Nach der reinen Lehre des Koran hatten die Araber den Griechen die Annahme des Islam oder Unterwerfung als Zinspflichtige mit Beibehaltung ihres Glaubens angeboten, und nur diejenigen getödtet oder zu Sklaven gemacht, welche in der Schlacht ihnen entgegentraten. Fast alle Einwohner wählten Unterwerfung und lebten fortan ungestört in ihrem Glauben unter der milden und gerechten, dabei für ihr Wohl sorgenden Regierung des Großemirs, welcher seine Residenz in Balirmu (Palermo), dem alten Panormus, gebaut hatte. Die fleißigen Araber, dem Ackerbau und der Viehzucht ergeben, bekannt mit vielen Industriezweigen und den schönen Künsten nicht abhold, liebten Sicilien als ein Land, das in Klima und Erzeugnissen ihrer Heimath ähnlich war. Hier fanden sie ihre Lieblingsgewächse, die Dattelpalme, den Orangen- und Citronenbaum, die Rose, den Jasmin und Oleander, hier fanden sie die üppigen Kornfelder Nordafrika’s wieder. Unter der Araber Herrschaft hob sich der Ackerbau Siciliens zu seiner frühern Blüthe wieder empor, gefördert durch das von ihnen eingeführte System regelmäßiger Bewässerung der Felder, und dieser Segen besteht eben so wie im Süden Spaniens, nach den von ihnen erlassenen Verordnungen, noch heutigen Tages unverändert fort. Sie führten zuerst dort den Olivenbaum ein, und wenn jetzt der Fremde einen der uralten Olivenbäume in Palermo’s Umgebung bewundert, so wird der geringste Mann ihm erzählen, daß dieser Baum von den Saracenen selbst gepflanzt sei. So vergißt das Volk auch nach einem Jahrtausend empfangene Wohlthaten nimmer, und die Araber sind bei den Sicilianern im dankbarsten Andenken geblieben. Sie machten dort noch das Zuckerrohr und die Melone einheimisch, führten ihr Lieblingsthier, das Kameel, und die Brieftauben ein, unter ihren Händen gedieh auf den fruchtbaren Weiden die Schafzucht, sie gründeten viele Wollenfabriken und Färbereien, und belebten Handel und Schifffahrt. Straßen, Brunnen und Wasserleitungen entstanden unter ihrer Herrschaft, stolze Moscheen, Burgen und Landhäuser stiegen überall empor, die schönsten in und um Palermo, ihrem begünstigten Lieblingssitze; Gerechtigkeit wurde streng,
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 244. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/254&oldid=- (Version vom 10.1.2026)