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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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aber unparteiisch dem Moslem wie dem Christen, jedem nach seinem Gesetze zugemessen, Wohlstand und Frieden kehrten zurück, eine Sicherheit des Eigenthums und Lebens herrschte auf der ganzen Insel, wie sie weder vorher, noch später und jetzt gar nicht zu finden ist, weshalb Sismondi in seiner vortrefflichen Geschichte der italienischen Freistaaten mit Wahrheit hervorheben kann, daß Sicilien seit Besiegung der Araber nie wieder eine wohlgeordnete Regierung gehabt habe. Die letzten Jahre ihrer Herrschaft trübten sich; Fehden unter den Emirn zerrütteten das Land und waren die nächste Veranlassung ihres Untergangs durch die abenteuernden Normannen. Hier findet sich ein unwiderleglicher Beweis von Dankbarkeit der sicilianischen Christen für die vielen Segnungen, welche die Araber ihnen gebracht, indem die Geschichte sie die vielen blutigen Schlachten ihrer mohammedanischen Beherrscher gegen die Normannen tapfer ausfechten sah. Sie mochten ihr künftiges Schicksal ahnen; die eiserne Faust des heftigen, raubgierigen Normann, die Einführung seines starren Feudalsystems mit harter Leibeigenschaft der Besiegten, nebst Unduldsamkeit gegen die Araber, zerstörten bald wieder die Blüthe und den Wohlstand Siciliens, welche die kurze Herrschaft der mildern und toleranten Hohenstaufen, besonders des großen, aber unglücklichen Kaisers Friedrich II., nicht wieder heben konnte. Unter der Herrschaft der Anjou und der Spanier kehrte, begleitet von der triumphirenden Geistlichkeit und den Schrecken der Inquisition, die alte Anarchie und Verarmung zurück, den Oesterreichern und Bourbons war die Insel stets nur ein ungeliebtes, vernachlässigtes Stiefkind, der Laune und Willkür habgieriger Statthalter untergeben, und so ist es kein Wunder, daß Siciliens unerschöpflich reicher Boden, großentheils verödet liegend, jetzt nicht einmal mehr seine decimirte Bevölkerung ernähren kann, und daß das Volk, wenn gleich von Natur intelligent und thatkräftig, verarmt, verdummt, entartet und entehrt einhergeht.
Die Tiefe des politischen und in Folge dessen socialen Elends, in das das schöne Sicilien durch die Schuld seiner Regenten gestürzt wurde, ist schwer zu ergründen, das unglückliche Land wieder zu erheben und seine Leiden radikal zu heilen, aber wohl so gut wie unmöglich.
Vor Allem wichtig sind die Verhältnisse des Grundeigenthums und der Landwirthschaft. Die Normannen theilten Sicilien nach der Eroberung in große Lehne für die Krone, den Adel und die Geistlichkeit, und knüpften daran Frohndienste, die von jeder der verschiedenen Nationen, welche die damalige Bevölkerung bildeten (Griechen, Araber, Normannen) nach ihrem Brauche abgeleistet wurden. Die reichern und mächtigern Vasallen wußten die Zahl ihrer Güter im Laufe der Zeit in’s Kolossale zu vermehren. Die Geistlichkeit verstand dies nicht minder, und Anhäufung von Grundbesitz erzeugte in Sicilien wie fast überall eine Stabilität in der Art der Bewirthschaftung, welche Verbesserungen gewöhnlich ausschließt. Den Städten gelang es erst im spätern Mittelalter, einiges Grundeigenthum zu erwerben. Die Normannen kannten nur Mannlehne, und von jeher
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 245. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/255&oldid=- (Version vom 10.1.2026)