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erhielten die nachgebornen Söhne des Adels Abfindungen aus den Gütern. Diese ergreifen höchst selten erzeugende Gewerbe, sondern werden in der Regel Advokaten, Mönche oder Soldaten und bilden einen zahlreichen niedern Adel. Der gesammte Adel Siciliens, welcher jetzt 127 Fürsten, 78 Herzöge, 130 Marquis und eine unendliche Menge Grafen zählt, wovon begreiflich die meisten unbemittelt, viele arm sind, wird auf 2500 Personen angegeben. Die Zahl der Geistlichen, der Mönche und Nonnen ist übermäßig groß und beträgt mehr als 40,000, so daß also auf 50 Einwohner eine geistliche Person kommt, und alle leben auf Kosten der erwerbenden Bevölkerung.

Unser anfänglicher Vergleich mit Irland paßt thatsächlich auf Siciliens ökonomische Verhältnisse, denn hier wie dort verpachten die Grundeigenthümer stets ihre Güter einem oder etlichen Spekulanten, diese verafterpachten solche an mehrere Andere, und so geht die Verafterpachtung herab, bis ein Gut von vielleicht hundert und mehr kleinen Pächtern kultivirt wird, welche die ganze Last dieses unseligen Verhältnisses tragen und froh sein müssen, wenn nach Bezahlung des Pachtgeldes ihnen der nothdürftigste Lebensunterhalt übrig bleibt. So haben die Grundbesitzer, von welchen viele ihre Einkünfte außerhalb Sicilien verzehren, kein anderes Interesse an ihren Gütern, als daß sie von dem Generalpächter die Pachtsumme richtig erhalten, und letzterer, sowie alle Zwischenpächter, leben mehr oder minder einträglich von dem dem Schweiße des kleinsten Afterpachters abgepreßten Gelde. Dieser ist das ganze Jahr hindurch zum fleißigen Anbau des Bodens gezwungen, wenn er seine stets nur auf wenige Jahre zugestandene Pacht behalten und dabei nicht verhungern will; ein anderes Interesse knüpft ihn nicht an das Grundstück, welches er kultivirt, oder an dessen Herrn. Obwohl nun der Boden ein so unerschöpflich reicher ist, daß er in vielen Gegenden achzigfältiges Korn ergibt, so ist doch der Getreidebau aus den angegebenen Gründen nicht mehr lohnend.

Ungeheure Striche durchgängig fruchtbaren Bodens, man gibt mehr als ein Drittel der ganzen Grundfläche an, liegen im Innern der Insel gänzlich brach und werden höchstens zu Viehweiden benutzt, weil sich keine Pächter finden, welche die so vielfach belastete Kultur übernehmen wollen, und weil bei dem Mangel an schiffbaren Flüssen und Fahrstraßen der Absatz der Produkte aus dem Innern zu kostbar, oft so gut wie unmöglich sein würde. Deshalb die vielen Einöden im Innern Siciliens, wo man oft in 4 bis 5 Stunden weder Dorf noch Haus, noch Menschen sieht. Alle diese Verhältnisse zusammengenommen machen es erklärlich, daß, während das übrige Europa überall Getreide in Menge erzeugt, Sicilien, welches einst Jahrhunderte lang die Kornkammer des römischen Weltreiches gewesen, jetzt bedeutender Getreidezufuhr bedarf, ja oft Mangel leidet und so dem Auslande einen starken, jährlichen Tribut entrichtet. Die Küsten und die Umgebung der daran liegenden größern Städte werden allein noch mit Fleiß angebaut, da dort allein vortheilhafter Absatz der Produkte zu