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sogenannten Verfassung von 1821, und das einst in seiner Verwaltung selbstständige Sicilien blieb seitdem einer Schaar von der Regierung abhängiger Beamten übergeben. Für das materielle Wohl der Insel war unter den angedeuteten Verhältnissen seit 1816 von der Regierung nur wenig gesorgt. Seit 1819 wurde eine den französischen Gesetzbüchern nachgebildete Rechtsverfassung, Codice per il regno delle due Sicilie, mit öffentlichem Verfahren, jedoch ohne Geschworne, auch in Sicilien eingeführt, welche viele treffliche Bestimmungen enthält, aber durch Bestechlichkeit der Richter und die unendliche Menge blutsaugerischer Advokaten ihren Zweck verfehlen ließ. Sodann ward an die Stelle einer frühern Lokalpolizeimiliz die Gendarmerie eingeführt, welche, höchst unvollkommen organisirt, der Unsicherheit, die besonders im Innern der Insel herrscht, nicht abhilft, wenn auch durchschnittlich 12,000 Menschen in den Gefängnissen Siciliens sich befinden, und welche vom Volke als Hauptwerkzeug seiner Unterdrückung bitterer als irgendwo gehaßt wird. Ferner wurde Sicilien Befreiung von Militärkonskription gestattet, jedoch unter der Verpflichtung, zwei Regimenter Infanterie zu stellen, die durch Werbung und Pressen von Bettlern, Vagabonden und dem Auswurfe der Gefängnisse zusammengebracht werden. „Besser ein Schwein als Soldat“ heißt ein Volkswort; Beweis, in welchem Kredit der neapolitanische Kriegsdienst bei’m Sicilianer steht. Diese sicilianischen Regimenter garnisoniren in Neapel, während die Insel nur von neapolitaschen Truppen besetzt gehalten wird, die es an Anlässen zu blutigen Raufereien nicht fehlen lassen.

Die nächstdem zur Reife gekommene Frucht dieser Mißverwaltung war die noch frisch in unserm Andenken stehende Revolution von 1847, welche als der Ausgangspunkt der zündenden Bewegung angesehen werden kann, die in den zwei folgenden Jahren über ganz Europa entbrannte.

Nur fünf Vierteljahre währte der Triumph der sicilianischen Unabhängigkeit. Die Diplomatie Englands und Frankreichs, welche während des Kampfs zu Gunsten der Sicilianer intervenirt hatte, zog sich auf halbem Wege zurück und überließ das unglückliche, für seine Vertheidigung schlecht organisirte, in träumerischer Sicherheit sich wiegende Inselvolk der unbändigen Rache des neapolitanischen Herrschers. Mord, Brand, Verwüstung, jedweder Greuel bezeichneten an der ganzen Küste die Bahn des siegreichen Heeres, Kriegsgerichte hielten reichliche Nachlese, was verschont blieb, floh; im März 1849 lag das ohnmächtig verblutende Sicilien wieder zu den Füßen des Königs von Neapel.

Es wird diese nicht die letzte Erhebung des gebeugten Siciliervolks gewesen sein, ob aber aus einem dauernden Sieg, aus einer gänzlichen Abschüttelung des neapolitanischen Joches je wieder gedeihliche Zustände für die Insel hervorgehen werden, ob die politische Unabhängigkeit es je wieder auf die Bahn inneren Fortschritts, sittlicher Erhebung und zur Wiedergeburt seiner materiellen Wohlfahrt führen wird, muß Jeder bezweifeln, der