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Jeder anlegen kann, und dadurch bekommt die Umgegend der Stadt einganz merkwürdiges Ansehen. Am Karmeliterkloster begrüßten uns die Mönche, dann ging es seitwärts ab, und die mit enormen Kosten den Eryx hinaufgebaute neue Chaussee nach St. Giuliano. Obgleich nicht lange erst fertig geworden, zeigte sich dieselbe schon sehr schadhaft; vorzüglich in der Mitte des Berges war die immer im Zickzack führende Straße durch Regen- und Bergwasser, trotz der aufgerichteten Steinpfeiler, um 8–10 Ellen herabgerutscht, so daß sie kaum mehr fahrbar war. Außer Feigencactus und enormen Aloëstauden war das Terrain fast ohne alle Vegetation. Nur um das ziemlich auf der Mitte des Berges gelegene Kapucinerkloster waren prächtige Cypressen, Pinien und ein paar wunderschöne Palmen zu sehen. Das Kloster hat eine Art Katakomben, in welche die durch Zugluft mumisirten Leichen, mit Namen, Titeln u. s. w. behangen, dicht neben einander aufgerichtet sitzen oder auch hängen. Ueber zwei Stunden hatten wir zugebracht mit Ersteigen dieses 5000 Fuß über dem Meer hohen Berges, und als wir in St. Giuliano, der alten Stadt Eryx, eintraten, glaubten wir uns allerdings in eine andere Welt versetzt; etwas so ganz Fremdartiges in der Bauart, so Eigenthümliches in der Luft und so ganz Originelles in der Tracht der Männer und Frauen war uns noch nie vorgekommen. Oede und kahl ist das ganze Hochplateau, auf dem diese merkwürdige Stadt gebaut ist und der weltberühmte Tempel der Venus stand, von dem Virgil schon singt:

Da war der Venus Idalia, dort auf dem Gipfel des Eryx,
Hoch zu den Sternen ein Tempel geführt, und dem Grab des Anchises,
Rings umher ein heiliger Hain und ein Prister geweiht.

Einen auffälligen Charakter trägt jetzt noch dieser mythenreiche Boden, wo Aeneas geweilt, wo der vielgeprüfte Odysseus seine Abenteuer bestanden haben soll, wohin selbst das Abenteuer des Odysseus mit dem Cyclopen versetzt wird. Nach Homer war es der westliche Theil der Insel, und hier der einzig hohe Berg der Eryx, sowie die beiden Felsblöcke, die der Cyclop schleuderte, noch als die beiden vor den ägatischen Inseln liegenden Felsen im Meer bezeichnet werden. Pompeji, sowie es jetzt ausgegraben ist, nothdürftig wieder eingerichtet und bevölkert, könnte vielleicht einen Begriff von St. Giuliano zu geben im Stande sein. An schmalen Straßen, mit dem an den Seiten erhöhten Fußpfad, stehen einstöckige Häuser, aus dem grauen Kalkstein des Berges locker zusammengefügt, hie und da ein Fenster von kleinster Dimension, glatte vorspringende Dächer, auf denen grüne Gräser hervorsprossen; so sieht ein Haus wie das andere aus, und man glaubt keines bewohnt, denn nirgends läßt sich ein Gesicht aus denselben erblicken. Erst als wir weiter in das Innere der Stadt kamen, standen uns größere Häuser entgegen, auch Fenster erschienen, aber Alles grau verwittert, hie und da einzelne