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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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heiße, dann lautet die Antwort eines ortskundigen Mannes: Athen. Aber diesem Athen fehlen die Akropolis und das Parthenon, auch hat es noch keinen Sophokles oder Demosthenes und Perikles hervorgebracht; es ist nur von arbeitsamen Gerbern und derben Ackerbauern bewohnt. Und dieses Athen ist nicht etwa das einzige dieses stolzen Namens; die Karte des großen Staatenbundes weist deren wohl noch ein Dutzend auf. Wer auf dem Deck eines Hudsondampfers steht, hat weiter das Vergnügen, stromauf an Babylon und Jericho, Salem und Libanon, Gosen und Troja (Troy) vorüber zu kommen; Syracus, Utica und Rom kann er mit Hülfe des Dampfwagens in ein paar Stunden erreichen, und dabei Oxford und Hamburg, Cairo und Glasgow berühren. Während er noch den Betrachtungen sich hingibt, welche die Mahnung an so viele verschwundene Herrlichkeiten ihm aufdrängt, erschallt die Glocke, das Feuerschiff wirft seinen Anker aus und legt neben vielen andern seines Gleichen am Werft zu Albany an.
Welch ein Abstand zwischen heute und dem Jahre 1807, in welchem Robert Fulton seinen ersten schüchternen Versuch wagte, gegen Wind und Strömung mit einem durch die Kraft des Dampfes getriebenen Schiffe anzukämpfen! Der Gedanke, daß diese Kraft sich zu praktischen Zwecken der Schifffahrt verwenden lasse, gehört zwar nicht jenem Manne, er war vor ihm von dem pennsylvanischen Deutschen David Ritterhaus ausgesprochen worden, und Fitch und Rumsey hatten dann in den Jahren 1787 und 1788 Modelle für Dampfboote gezimmert. Aber Fulton kann die Ehre in Anspruch nehmen, daß seine Versuche gelangen und von ungeheurem Erfolge waren. Er ist das Werkzeug gewesen, durch welches der gesammte Weltverkehr eine völlige Umwandlung erlitten hat. Wenn er doch, wie wir, sehen könnte, daß Dampfer bis in das Herz von China oder bis in die Nähe der Missouriquellen hinaufgehen, daß sie zu Tausenden, nachdem seit dem ersten Versuche nur ein halbes Jahrhundert verfloß, auf allen großen Strömen, in allen Welttheilen und Zonen, in Thätigkeit sind und zu Hunderten die Wogen des Weltmeers durchschneiden! – Fulton stieß als Reformator, als ein Mann der Neuerungen, auf dieselben Schwierigkeiten, Hindernisse und Bedenklichkeiten, wie alle Verbesserer in allen Zeiten. Der Prophet gilt daheim wenig oder nichts, und neue Apostel finden nur mit Mühe Gehör. Seine Freunde hatten ihm wohlmeinend gerathen, Zeit und Geld nicht an Versuche zu wagen, die schon einige Male mißlungen seien, aber der unternehmende Mann blieb bei seinem Vorsatze, den er herrlich hinausführte.
Robert Fulton, dessen Werk der ganzen Welt so unberechenbaren Nutzen bringt, ist arm gestorben; er lebte von einem mäßigen Jahrgehalt, welchen ein Freund ihm gewährte. Man kann sich der Rührung nicht erwehren, wenn man einen seiner Briefe liest, in welchem er einem Bekannten schreibt, wie es ihm mit seinem Unternehmen ergangen sei. „Als ich mein erstes Dampfboot zu bauen anfing, hielten mich die Leute in Newyork für
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 256. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/266&oldid=- (Version vom 10.1.2026)