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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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Zu dieser Elite rechnen wir Männer wie Muncho-Park, Clapperton, Denham, Livingston, Overweg, Vogel, Barth. Die Hälfte der Genannten fielen als Opfer ihres Forschungseifers, und mit ihrem reisewissenschaftlichen Leben gingen Schätze an Erfahrungen, Beobachtungen, Entdeckungen und Aufzeichnungen unter. Der Glücklichsten Einer ist Barth, dessen langjährigem Aufenthalt in Centralafrika die heutige Wissenschaft den ungemein verbreiteten Umfang ihrer geo-, topo- und ethnographischen Kenntnisse von jenem Länderstrich verdankt. Seine Reisen erstrecken sich namentlich auf die nördlich und westlich vom Tsad, Afrika’s großem Binnenmeer, gelegenen Länder, während sein Freund Vogel, dessen Schicksal noch unentschieden, es unternahm, in der entgegengesetzten Richtung, vom östlichen Ufer des Tsad aus, die Quellen des Nil zu erreichen. Barth hat über den Tsad ausführlichere und richtigere Nachrichten gegeben, als seine Vorgänger, unter denen Clapperton und Denham das Verdienst beanspruchen, die ersten Europäer gewesen zu sein, die des Sees ansichtig wurden. Barth versuchte zwar, den ganzen See zu umreisen, mußte aber vor den unübersteiglichen Hindernissen, welche die Feindseligkeit der anwohnenden Völkerschaften ihm bereitete, zurückweichen. So erforschte er auf seinen Exkursionen von Kukana, dem großen Handelsemporium am Tsad, diesen See nur auf der östlichen, südlichen und westlichen Seite. Er schildert den Tsad als eine ungeheure Lache, welche ihre Ufer jeden Monat ändere; dieselben seien zeitweilig mit unermeßlichem Schilf und Rohrbrüchen bedeckt, und bildeten so endlose Sümpfe, daß sie unter dem Horizonte verschwänden, ohne das offene Wasser zu zeigen. Im See befinden sich große, von wilden räuberischen Horden (Piraten) bewohnte Inseln. Dieselben machen sich den anwohnenden Stämmen gefährlich, welche, der Kultur näher stehend, Gewerbe, Handel, Ackerbau und Viehzucht treiben. Dazwischen hausen die vornehmsten Thiere Afrika’s: Löwen, Elephanten, letztere in großen Heerden, Nilpferde, Hyänen, Antilopen etc. in ungestörter Ruhe und so zahlreich, daß Barth erzählt, oft Meilen weit auf dem ausgetrockneten Sumpfboden kein ebenes Fleckchen gefunden zu haben vor den hohen harten Rändern der tief eingesunkenen Elephantenspuren, nur groß genug, um darauf den ermüdeten Gliedern Ruhe zu gönnen.
Der lange gehegte Irrthum, daß der Tsad einen Ausfluß habe, ist von Barth vollständig widerlegt worden.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 21. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/31&oldid=- (Version vom 2.1.2026)