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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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Ich habe den IV. Band dieses Buches vor mir, der ein Bild enthält, wie es hier vor 20 Jahren aussah. Der vergilbte Spuren des Alters tragende Druck stimmt zum Sujet, der Artikel mit einer ernsten Betrachtung über das seitdem erfüllte und dem Gegenstand seiner Beschreibung verwandte Loos seines Verfassers, mit einem Stoßseufzer auf Rheinbunds Schmach und napoleonische Herrschaft, stimmt zum Bild, und die Ruine selbst stimmt so harmonisch zum sturmzerfetzten und altersgrauen Gewand des Stromes, den sie schmücken hilft, daß mir in seiner Verwandlung das Bild von heute auf dem weißen Blatt, die neue Burg in heller Tünche und mit blendenden Spiegelfenstern, wie ein arger Mißton klingt. Was soll der neue Flicken auf dem in Kampf und Ehren ausgetragenen Kleid des alten Grenzvogts der deutschen Lande, was will der neugeschliffene Stein im abgebrochenen kaiserlichen Krongeschmeide, was soll das neue kecke Stolzenfels in der Reihe seiner alten Gefährten, die, gleich ihm, stromauf, stromab, von beiden Seiten im Wasserspiegel sich beschauen und mehr und mehr ihre greisen Häupter senken? Hat dich die neuerlebte Herrlichkeit so rasch mit deinem alten Schmerz ausgesöhnt, daß du jetzt so eitel um dich blickst und frivole Trinklieder anstimmst, mitten im elegischen Chorus deiner Kampfes- und Schicksalsgenossen?
Am Schluß des erwähnten, vor 20 Jahren geschriebenen Artikels heißt’s: daß die Stadt Koblenz den damaligen Kronprinzen mit der Ruine Stolzenfels beschenkt und dieser den Plan des Wiederaufbaues anfänglich zwar gehegt, aber den erforderlichen Aufwand dann gescheut habe; Stolzenfels würde deshalb wohl Ruine bleiben. Es ward nicht so; mit der in mancherlei Zügen seiner öffentlichen Wirksamkeit sich bekundenden Neigung zum Mittelalterlichen reifte auch des Besitzers Plan des Aufbaues von Stolzenfels zur That, und die Millionen, welche derselbe erforderte, hat er nicht gescheut. Seitdem hat auch die Chronik der Burg, die uns von den dort stattgehabten Verlobungsfeierlichkeiten des Hohenstaufen Friedrich II. mit Englands schöner Königstochter Isabella so Märchenhaftes
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 24. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/34&oldid=- (Version vom 2.1.2026)