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auch die frischen Fresken und Leinwanden düsseldorfer Künstler sein. Doch finden sich auch mehre werthvolle Dürer, Holbeine, Van Dyks darunter, und im Waffensaal paradiren die historischen Reliquien Tilly’scher und Alba’scher Armatur neben den Waffen Blüchers, Kosziusko’s und der von Waterloo erbeuteten Kriegsbagage Napoleons I. und Murats. Das Alles aber, was jeder Rheinreisende wohl schon hundertmal besser an hundert andern Orten gesehen hat, lohnt nicht die Strapaze des Bergsteigens und ist das Trinkgeld nicht werth, welches der Kastellan empfängt, wäre es nicht, wenn auch nur um einen einzigen Blick aus einem der Schloßfenster. Wie viel schöner und freier hatte ihn sonst der Wanderer von den verschütteten Wällen der alten Burg oder, wenn er klettern konnte, von den bemoosten Bänken der ausgebrochenen Thurmfenster. Jetzt muß man in Filzschuhen über einen parkettirten Boden gleiten, um an dasselbe Fenster zu gelangen, und anstatt des Summens der Käfer und Flüsterns der Baumwipfel begleitet die näselnde Stimme des Kastellans, monoton wie der Vortrag eines Panoramaaufstellers, auch ungeladen unsere Betrachtung. Wir sind im Lesekabinet der Königin, in einen dreifenstrigen Erker ausspringend, der die Aussicht nach drei Himmelsgegenden frei läßt. Ein Blick da hinaus versöhnt uns mit allen unangenehmen Empfindungen, die uns hierher begleitet haben, und Jeder, mag er auch alle anderen Steine und Felsen am Rhein erstiegen haben, muß sich gestehen, daß er hier auf dem ohne Vergleich reizendsten Luginsland der ganzen Rheingegend steht. Im Fenster rechts erscheint der Strom zwischen den Felsmassen, die ihm einst bei Bingen den Weg verwehrten, und dehnt sich in langen breiten Streifen durch die Landschaft. Auf dem letzten Felskegel erhebt sich die letzte noch unzerstörte rheinische Burg, die Marxburg, hoch über dem Städtchen Braubach, ein getreues Bild noch jener Zeit, in der der Bürger zu des Burgherrn Füßen lag. Niedere bewaldete Hügel, Fluren und zahlreiche Obstbaumhaine füllen das sich auf dem rechten Ufer erweiternde Thal. Hie und da sind kleine Dörfer bescheiden im Grün versteckt und blinken die weißen Giebel alter Kapellen und Wallfahrtsorte hervor. Noch ein geschichtliches Denkmal fällt in’s Auge, der Königsstuhl; auf ihm saßen die sieben Kurfürsten und schüttelten die Loose um Deutschlands Geschick. Von ihm aus ging über unser Vaterland Glanz und Ruhm und – Bürgerkrieg. Ein neues Bild umschließt das mittlere Fenster, hinaus auf die Lahn, wo sie ihr Wasser mit den Fluthen des Rheins vermählt. Lahneck winkt von da herüber; Ober- und Niederlahnstein, mit dem kurmainzischen Schloß und der uralten Johanniskirche treten in den Vorgrund. Dort, an einem bedeutenden Depot des Rheinhandels, am Endpunkt der Lahnbahn, dem Landungsplatz der Reisenden nach den nassauischen Bädern, bewegt sich ein so lebendiges Wogen und Drängen, ein so lautes Schaffen und Rennen, wie es sich außer den großen Städten am Rhein nicht mehr darbietet. Am imposantesten ist der Ausblick aus dem Fenster nach Norden. Der Rhein, nachdem er den Kampf mit den Felsen bestanden, ergießt sich siegreich durch ein großes sich weit öffnendes Land