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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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und verschwindet erst am fernen Horizont. In seinen feuchten Armen ruht ein liebliches Eiland, Oberwerth. Noch eine Stunde weit begleiten seine Ufer die schroffen Wände des Schiefergebirgs, die erst gegen Koblenz hin ihren felsigen Charakter verlieren, in niedere bewaldete Hügel auslaufen und zuletzt in die noch sichtbaren Felder und Gärten der Stadt übergehen. Anmuthig dagegen und mit Dörfern geschmückt, breitet sich das rechte Ufer in niedriges, angebautes, wellenförmiges Land aus, bis Koblenz gegenüber, zu den mächtig sich erhebenden Rüststätten des Kriegs, dem Ehrenbreitenstein mit seinen vielen Forts und Vorwerken; dahinter aber wohnt wieder des Landmannes Fleiß, und friedegewohnte Hügel und Fluren schließen als äußerster Hintergrund die wahrhaft großartige Landschaft.
Zwei und eine halbe Stunden von Rom, in Mitte einer waldbedeckten Landschaft, umschließen die senkrechten Wände eines ausgebrannten Kraters einen dunkelfarbigen meilenweiten Wasserspiegel, nach dem die Mythe den Badeplatz der Diana, die Chronik des römischen Kaiserreichs aber den Sommeraufenthalt des Trajan, und zwar in Mitte des Sees, auf einen schwimmenden Palast verlegt. Die Bestätigung dessen ist uns von einem berühmten und gelehrten Alterthumsforscher aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts überliefert worden, der in einem Tauchapparate jenen versunkenen Herrlichkeiten nachspürte und aus den am Grund des Sees entdeckten Ueberresten uns eine genaue Beschreibung von dem hinterlassen hat, was dieselben einst gewesen sein mögen: ein Schiff, 500 Fuß lang, 270 Fuß breit, und 60 Fuß hoch, aus Eichen- und Cedernholz gezimmert und mit Blei beschlagen. Das Verdeck ruhte auf Marmorsäulen, und Bildwerke von köstlicher Bronze schmückten das Innere. So will es der alte Taucher gesehen haben, und es wundert mich, daß die Jagdpassion der Alterthümler, welche schon halbverdaute Städte den Eingeweiden der Erde wieder entreißt, den See von Nemi noch nicht ausgepumpt hat, um Trajans ersäuften Palast wieder trocken zu legen.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 27. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/37&oldid=- (Version vom 2.1.2026)