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in allen seinen gewohnten Beziehungen erstirbt, der Geist erstarrt und Kosak, Sträfling und Knute die einzige Form menschlicher Existenz repräsentiren. Und wenn der Leser nun neugierig das Blatt umschlägt, um zu sehen, wie sich diese Vorstellung im Stahlstich ausnimmt, soll er sich überrascht finden, ein schmuckes Stadtbild vor Augen zu haben, mit einem klaren belebten Fluß, einer jungen, aufblühenden, amerikanischen Ansiedelung oder einer sauberen, wohlhabenden Herrenhuterkolonie zu vergleichen. Seine Ueberraschung soll zum Erstaunen sich steigern, wenn er erfährt, daß in dieser sibirischen Stadt 30,000 civilisirte Menschenwohnen, mit nicht weniger als 16 Kirchen, mit Bibliothek, Akademie und Schulen, Druckerei und Zeitungen, mit großen Fabriken und Dampfmaschinen, Mühlen und Schifffahrt, mit Hotels und französischen Restaurants, Casino und Lesekabineten, mit eleganten Equipagen, modisch geputzten Frauen, Champagner trinkenden Herren, kurz, mit allen glänzenden Attributen einer westeuropäischen Stadt angethan. Und so ist es in der That. Mag jene uns mit einer Gänsehaut überziehende Vorstellung auf das nördliche Dritttheil von Asien im Allgemeinen Anwendung finden, so finden wir uns hier auf einer Oase, in der nicht nur der vorüber ziehende Verkehr civilisirten Lebens, wie auf der Etappenstraße der Karavanen der Sahara, einen Schatten von Kultur zurückgelassen hat, sondern wo eine eigene festgewurzelte Gesittung ihre Keime treibt und belebende Strahlen über das umgebende Land aussendet.

Irkutzk, der Mittelpunkt des gesammten sibirischen und Stapelplatz des chinesisch-russischen Handels, ist seit der Unterwerfung der nordasiatischen Gebiete unter russisches Scepter eine Pflege und Pflanzstätte von Petersburg und der Ausgangspunkt dessen Asien russifizirenden Bestrebungen. Der Sitz des Erzbischofs, wie der obersten weltlichen Behörde, des Civilgouvernements von ganz Sibirien, bildet Irkutzk mit seinen zahlreichen hohen Beamtenfamilien, mit den reichbegüterten Kaufmannsgilden, einem intelligenten und spekulativen Gewerbe- und Industriestand und mit der starken Garnison einen Brennpunkt ächt russischen Geistes, der unter dem barbarischen Stamme der Ureinwohner und der anfangs verkommenen europäischen Einwanderung rasch fortschreitende Eroberungen macht.

Diese von wenigen Punkten ausgehende Besiedelung des nördlichen Asiens mit europäischer Kultur, sowie die geschichtlichen Antecedentien des Landes führen unwillkürlich zu einer Vergleichung mit den Anfängen nordamerikanischer Kolonisation. Hier wie dort ward das Schwert mit leichter Mühe Herr der nomadisirenden, untereinander in losem oder gar keinem staatlichen Zusammenhang stehenden, das Land innehabenden Völkerschaften. Der Eroberer begnügte sich anfänglich mit dem Titel äußerer Autorität, ohne seinen Unterthanen Neuerungen aufzuzwingen, und mit der Erwerbung des Terrains, in dessen Besitz er sich durch zerstreute Militärposten erhielt, wie die Vereinigten Staaten noch deren im Westen Nordamerika’s unterhalten. Die hölzernen sibirischen Forts, zugleich Tauschmärkte für die Jagdbeute der umwohnenden Stämme, gleichen jenen auf ein Haar. Die eigentliche