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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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er seine Schaufelflossen und gleitet, mit den Wellen spielend, über die geschmeide Bahn; er ist wie ein Vogel, so hoch und mit schwindelerregender Geschwindigkeit trägt er seinen Rumpf durch die Lüfte, und wenn ich Amerika darstellen sollte in einem Symbol seiner Eigenthümlichkeit, seiner Kraft, Größe, Kühnheit und seines Goaheadism, ich wüßte nichts Bezeichnenderes als ein Flußdampfboot.
Wir befinden uns an Bord eines solchen, auf der Fahrt von Newyork nach Newburgh, einem Anlegeplatz am Hudson, halbwegs Albany. Es sind unsern Lesern bekannte Gegenden, an denen wir vorüber kommen: die Pallisaden, Westpoint mit Kosziusko’s Denkmal, die Katterskillberge und manche andere der unzähligen reizenden Punkte, die in den Augen Vieler der Scenerie des Hudson den Vorrang vor der des Rheins zugestehen. Betrachten wir mittlerweile das Stückchen amerikanische Welt, das uns auf denselben Brettern begleitet, näher. Es ist gerade Mittags. Ein Schwarzer rennt, auf einer chinesischen Kupfertrommel (Gong) wirbelnd, durch die Etagen des Bootes, und nun regt sich’s in allen Ecken und wimmelt’s wie in einem aufgestörten Ameisenhaufen. Alles drängt sich nach den Thüren und Treppen zur großen Kajüte, in der, zum Speisesaal verwandelt, die Tische zu langen Tafelreihen zusammengeschoben sind, auf denen 500 Gedecke der Gäste harren. Oft sind’s derselben in doppelter Anzahl, dann wird zweimal gedeckt und aufgetragen. Die einen hervorragenden Zug im amerikanischen Charakter ausmachende Galanterie der männlichen Passagiere läßt den Damen den Vortritt, und erst dann, auf einen Wink des präsidirenden und die Tischhonneurs machenden Kapitäns, nehmen jene die übrigen Plätze ein. Es folgt ein Mahl, mit allen Gourmandisen einer Weltstadt ausgestattet, so splendid, wie nur die großen Hotels von London und Hamburg eines darbieten und so gastronomisch schulgerecht, daß auch der verwöhnteste Gaumen ihm seine Anerkennung nicht versagen kann. Nicht minder trefflich bestellt ist die Weinkarte. Die Preise für Beides sind nicht höher, als die an einer großen Gasthofs-Table d’hote. Dennoch betrachtet der Amerikaner das Essen mehr als eine Arbeit, denn als einen Genuß, und beeilt sich nach Kräften, dasselbe zu beendigen; die Unterhaltung ist deshalb eine einsylbige und wird erst nach Abräumen des Tisches, beim Dessert und Champagner, dem Lieblingsgetränk des Yankee, lebendig. Kleine Gruppen Sitzenbleibender rücken zusammen, die Tische werden eingeschoben, die Damen nehmen die Divans an den Wänden ein, es wird in animirter Stimmung gesprochen, gelacht, gestritten, getrunken, gespielt, am Piano lassen sich Stimmen hören, die Meisten aber suchen das Hurrikandeck auf, das flache Dach der Kajüte, eine über die ganze Länge des Bootes laufende, bei Sonnenschein mit einem Leinwandzelt überspannte Promenade, um dort zu sitzen, spazieren zu gehen, zu rauchen und zu plaudern, während zu beiden Seiten die entzückendsten Panoramabilder vorüber fliegen und eine erfrischende feuchte Breeze, die nur Der zu schätzen weiß, der selbst einmal unter einer amerikanischen Sommergluth die Straßen
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 40. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/50&oldid=- (Version vom 3.1.2026)