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Die Ruinen des alten Rom.




Saget, Steine, mir an, o sprecht, ihr hohen Paläste,
Straßen, redet ein Wort! Genius, regst du dich nicht?
Ja, es ist Alles beseelt in deinen heiligen Mauern,
Ewige Roma, nur mir schweiget noch Alles so still.
 Göthe.

Es geht mir nicht besser beim Anblick dieses Ruinenfeldes. Ich weiß, daß jeder der umherliegenden Steine seine eigene und denkwürdige Geschichte zu erzählen hat, daß eine klassische Geisterwelt diese Schutthaufen bewohnt, daß mein Blick zwischen den Gräbern von 3000jährigen Existenzen wandelt, aber es fehlt mir der Sinn, das Flüstern der Geisterstimmen zu vernehmen, die mich umwehen, es fehlt mir der Zauberstab, die entschwundenen Gestalten wieder in’s Dasein zu rufen, mit denen auf dieser Stätte eine Zeitrechnung in der Geschichte unseres Geschlechts anhub und – Gott sei Dank– abschloß; es fehlen mir auch die Farben, um die Bilder einer Vergangenheit auszumalen, deren verblichene Ueberreste mich umgeben, es fehlt mir endlich der Geschmack, mich an Vorstellungen zu weiden, wie sie der Forscher aus vergilbten Pergamenten und verwitterten Inschriften sich bildet und der Dichter in glänzenden Gewändern über die Bühne gehen läßt. Göthe und Byron haben an dieser Stelle geweilt, gedacht, geträumt und gedichtet und Alles empfunden, was den Genius eines Menschen auf den Trümmern einer Welt mit erhabenen Gedanken erfüllen kann. Vor- und nachgefühlt haben es Unzählige, und der aufgezeichneten Betrachtungen über die ewige Stadt gibt es Legion. Sie haben es sich zur dankbaren Aufgabe gemacht, das Bild, das wir in der wüsten Anordnung, wie es die Natur uns gab, kopirten, zu ordnen, zu ergänzen und mit schimmernden Farben auszustaffiren; ihnen folge, wer sich in dieses Stückwerk nicht finden kann, das aussieht wie ein zerrissenes Buch. Wer das alte Rom, wie es war, vor Augen haben und das Forum von ehedem betreten will, allenfalls im Gefolge eines kaiserlichen Triumphzuges, die via sacra entlang durch den hohen Bogen des Septimius severus im Hintergrunde unseres Bildes, wer die umgestürzten Kaiserstatuen wieder auf ihre Piedestale erheben, die verschütteten Stufen zum Peristil des Concordiatempels wieder aufsteigen will, von dem aus sich Cicero’s Beredsamkeit über die glänzenden Versammlungen auf diesem Platze ergoß, wen es nach den blutigen Gladiatorenspielen im Kolosseum lockt, dort links, wo der Torso jenes riesenhaften mit Bogengängen umgebenen Mauerwerks hervorragt, wer die umherlungernden Bettelmönche in brauner Kutte in edle mit der Toga bekleidete Römergestalten verwandelt