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sehen mag, und die weltbeherrschende Bevölkerung von vier Millionen wieder innerhalb der verödeten Mauern der Siebenhügelstadt versetzt sich denken will, der wende sich an die eigene bereitwillige Phantasie oder begleite unsere Dichter, wie Bunsen, Stahr, Willkomm, Pecht und Andere auf ihren phantastischen Spaziergängen. Mein Bild will nichts an der nackten Natur verschönen, noch ergänzen, und meine prosaische Feder sträubt sich widerspenstig gegen den Flug zu den lichten Höhen des klassischen Alterthums. Ich sehe nicht das heitere Himmelsblau, das sich über diese Stätte wölbt, mir dringt nicht der Balsam der gepriesenen Atmosphäre durch die Poren, mein Auge ist verschleiert von den Luftgestalten der Zukunft, die sich hier zu verkörpern drohen, und mich fröstelt vor dem Odem der Nemesis, welcher mich anweht. Nichts sehe und fühle ich unter diesen ordnungslosen Trümmerhaufen als die unerbittlich sich erfüllende Wahrheit einer ewigen Ordnung. Solche Trümmerhaufen sind das unfehlbare Ziel, zu dem alle Verirrungen der Nationen führen, solche Trümmerhaufen sind die unausbleibliche Richtstätte, auf der die Versündigungen am Menschengeist ihre Sühne finden, solche Trümmerhaufen sind Gräber, die der Menschen Werke und Ruhm aufnehmen, wenn beiden die sittliche Weihe gebricht. Rom, so lange ihm eine sittliche Kraft innewohnte, überwand alle Gefahren, die ihm drohten, trotzte allen Schlägen, die nach seiner Weltherrschaft geführt wurden, überdauerte alle äußeren Wechselfälle des Glücks, erstand von allen Niederlagen, die Feindeshand, Empörung und widrige Elemente ihm beibrachten, in erneueter und erstarkter Größe; aber die Entartung seines Geschlechts senkte den Keim zum eigenen Verderben in den Kelch seiner Blüthe, als diese am herrlichsten entfaltet war, und geknickt fiel sie zur Erde, ein Opfer des beleidigten, gehöhnten, geschändeten, mit Füßen getretenen Genius der Menschheit. Jahrhunderte verwehten über der öden Stätte, da erschien ein Engel neuer Verheißung, der Geist des Christenthums, und pflanzte einen Palmzweig auf das Grab der Heidenstadt. Und wieder fluthete der Strom geistigen Lichtes und die Macht der Ideen nach der Siebenhügelstadt, und wieder ward Rom die Quelle einer höheren siegreich über die Erde sich ausbreitenden Kultur und der Sitz einer Weltherrschaft. Wer will es aber leugnen, daß unlautere Hände jene Quelle getrübt haben, daß der wahre Geist des Christenthums von dort geflohen, und wer will verkennen, daß der Geist strafender Vergeltung vor unseren Augen abermals seine Hand über Rom ausstreckt? – Denn es ist eine ewige Vergeltung, welche kein Glanz menschlicher Vollkommenheit blendet, keine Höhe menschlicher Macht erschreckt, welche, um den getretenen Wurm zu rächen, den Adler im Flug zur Sonne trifft; sie ist’s, welche für jede Schuld im Buche der Geschichte Tilgung fordert: daß unbestechliche Gewissen der Völker und Geschlechter, das jedem bösen Gedanken zürnt und jede böse That mit einem Fluche verfolgt; sie ist’s, die Rachegöttin, welche über Throne und Altäre schreitet, welche den Pechkranz in die Kuppel von St. Peters wie in die Dächer der Tuilerien schleudern wird; sie ist’s, die dem Sklaven die Fessel löst und ihm den Mordstahl in die Hand drückt, sie, die das Kind im Mutterleib nicht schont, sie, die vielleicht