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jetzt schon unter Europa’s Völker die dunkeln Loose wirft. Denn es ist ein Geist der Vergeltung, welcher ewig über den Genius der Menschheit wacht. – –


Ueber nichts fühlt sich der nach Rom kommende Reisende mehr enttäuscht, als über die weit unter seiner Erwartung bleibende Zahl von wenn auch nur einigermaßen erhaltenen Ueberresten und Denkmälern der alten Stadt. Diese ist in der That unglaublich gering, denn Byron hat Recht mit seinen Worten:

Gothen, Christen, Zeit und Krieg, Fluth und Feuer
War’n im Bund, die stolze Stadt zu beugen.

Und durch welche Reihenfolge von Stürmen ist dies Rom während seines dreitausendjährigen Bestehens um und umgekehrt worden! Zuerst durch Feuer und Schwert, mit denen die Gallierhorden unter Brennus das Rom der Königszeit dem Erdboden gleich machten. Von diesem ältesten Rom ist nichts als ein kleines Stück des tarquinischen Kloakenbaues erhalten, jenes Riesenwerks, das selbst die Baumeister der augusteischen Zeit für unerreichbar hielten. Dann fünfthalbhundert Jahre später der an demselben Unglückstage der gallischen Zerstörung ausgebrochene neuntägige neronische Brand, die größte Feuersbrunst, welche die Welt gesehen. Sie verzehrte von einer Stadt, welche damals die Größe und Einwohnerzahl von London hatte, über zwei Dritttheile und mit ihnen fast alle Erinnerungen an das republikanische und die gesammte Pracht des augusteischen Roms, so daß selbst Tacitus in seiner Schilderung dieses größten aller Unglücksfälle, welche das alte Rom betroffen, auf eine zur Unmöglichkeit gewordene Aufzählung aller der vernichteten Tempel, Prachtbauten, Kunstschätze und Statuen verzichtet. Nichts ist übrig aus der Zeit der Republik, als ein Tempel der Fortuna und einige Unterbauten des Kapitols; aus der Zeit des Augustus das Pantheon, ein Stück des Marcellus-Theaters, ein Portikus der Octavia, der Drususbogen und ein paar Säulen und Mauerreste vom Forum. Alles, was sonst von Bauresten in Rom vorhanden ist, gehört dem nach-neronischen Zeitalter an.

Der neronische Brand veränderte die ganze Gestalt der Stadt, welche erst dann nach einem geregelten Plan mit breiten geraden Straßen und großen Plätzen aufgebaut wurde. Der wahnsinnige Tyrann that Unglaubliches, um sie in verschwenderischer Pracht wieder aus ihrem Schutt erstehen zu lassen, doch vollbrachte er es nur zu einem geringen Theil. Der größere blieb frei für die Schöpfungen der späteren Kaiser. Unter Vitellius vernichtete ein neuer Brand das verschont gebliebene Kapitol mit allen seinen Heiligthümern und Schätzen. Dann folgten unter Titus und später Commodus abermals große Feuersbrünste, welche große Theile der neuerbauten Stadt wiederum in Asche legten.

Eine zweite Periode der Verwüstungen beginnt im vierten Jahrhundert mit der Herrschaft des Christenthums.