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ist eine Wahrheit geworden, von der die noch bestehenden Reste nur spärliche Ausnahmen bilden. Schon Raphael sagt in seiner Denkschrift an Leo X.: „Das ganze neue Rom, das wir sehen, ist mit Kalk von antikem Marmor gebaut“.

Bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts hatte das nach der Rückkehr der Päpste von Avignon wiedererstandene Rom noch einen vorwiegend mittelalterlichen Charakter, wie ihn die florentinischen Schloßburgen und in Rom der Palast Venezia aufweisen. Von da an beginnt mit Leo X. die Modernisirung der sich auf dem alten Marsfelde prächtig erhebenden Stadt. Der immer steigende Nepotismus veranlaßte das Entstehen jener Unzahl von Palästen, zu denen die antiken Reste gleichfalls die Materialien hergaben. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die bisher ihrer Entlegenheit halber verschont gebliebenen Grabmäler, Tempel und Villen vor den Thoren Roms ausgeraubt und zerstört. Die Ausgrabungen, welche von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts angestrengt betrieben wurden, förderten unglaubliche Schätze alter Kunst an’s Tageslicht, und alle heutigen Sammlungen Roms können, wie Niebuhr sagt, gegen den unschätzbaren Reichthum an Alterthümern aller Art, die sich damals in vielen hundert römischen Häusern zerstreut fanden, kaum als der hundertste Theil gelten.

Im Verlaufe dieser endlosen Verwüstungen hatte sich über Rom eine völlig neue Oberfläche gebildet. Auf den unermeßlichen Schutthaufen erwuchs eine üppige Vegetation; neue Hügel entstanden, wo sonst Fläche war, und der Boden der alten Stadt ward nach und nach mit einer 15 Fuß hohen Schicht überlagert. Das Forum, welches seit Ende des 14. Jahrhunderts als Schuttgrube diente, war sogar an manchen Stellen 20–30 Fuß hoch bedeckt. Erst Raphael’s unsterblicher Genius war es, der den Plan faßte, durch eine regelmäßige Aufgrabung aller erhaltenen Reste alter Baukunst wenigstens einen Schatten des alten Roms wieder zu erwecken. Elf Jahre lang hatte er an den vorhandenen alten Trümmern geforscht, und das selbst erlebte Schauspiel der fortgesetzten Zerstörung alter Tempel, Bogen, Pyramiden und Säulen empörte ihn. Sein Plan der Wiedererweckung des begrabenen alten Roms, welchen er kurz vor seinem Tode entwarf, blieb jedoch unausgeführt und die Zerstörungen dauerten fort. Napoleons Riesengeist nahm den Gedanken wieder auf, aber sein Stern erblich, ehe er ihn vollenden und ehe er, wie er gewollt, auf dem Gipfel des kapitolinischen Berges die Kaiserburg des neuen weltbeherrschenden Imperators, würdig des alten Namens und der neuen Herrschaft, inmitten des alten Roms errichten konnte.

Je moderner, nach Raphael’s Zeit, Rom ward, besonders durch Sixtus V., der die oberen Stadttheile wieder anbaute und große Straßen durch Vignen und Ruinen hindurch führte, desto mehr Alterthümer verschwanden. Die französische Herrschaft hatte für Rom wenigstens das Gute, daß sie für dauernde Erhaltung der