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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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noch übrigen antiken Baureste kräftig Sorge trug, eine Sorge, die seitdem, wenn auch in geringerem Maße, fortgesetzt wurde. Der Geist der Bildung hat, was jetzt noch vorhanden ist, unter seinen Schutz genommen, und nur mit ihm können die letzten Reste untergehen, welche aus Kolosseum und Pantheon, von Triumphbögen und Tempeltrümmern, in einzeln stehenden riesigen Schriftzeichen, von der Größe der alten Weltstadt zu den spätern Geschlechtern der Menschen reden.
Schon wieder ein Bild aus Amerika’s Wasserwelt. Freilich, und kein ächt amerikanisches Bild ohne Wasser, möchte ich darauf antworten; Wasser, das Element der Bewegung, die wogenden Seen, die strömenden Flüsse, das fluthende und ebbende Meer, sie sind die Träger und Wege des amerikanischen Lebens, sie sind die Fäden, an denen alle charakteristischen Erscheinungen amerikanischer Kultur krystallisiren, ihnen folge, wer Amerika kennen lernen will. Amerika wohnt am Wasser. Das Universum hat seinen Lesern eine reiche Mannichfaltigkeit amerikanischer Wasser-Scenerien gebracht, namentlich von den Ufern der großen westlichen Ströme, so wie des von jenen Veduten unendlich verschiedenen Hudson, manches Küstenbild vom atlantischen und stillen Ocean, viele reizende binnenländische Seen, malerische und imposante Wasserstürze. Und doch birgt Amerika’s Natur des Eigenthümlichen, Interessanten und Schönen noch so viel, woran die fischblütigen Yankee’s theilnahmlos vorüber gehen und kein Zeichner je gedacht hat; denn was dem Sinn der Spekulation und Dollarjägerei kein Interesse bieten kann, dafür hat der Yankee keine Augen. Er sieht in seinen Wasserfällen nur so und so viel Pferdekräfte, um seine Maschinen zu treiben, an einem Waldbach sucht erbloß eine Gelegenheit für Anlegung einer Sägemühle, die Schönheit eines Stromes bemißt er nach dem Tiefgang seiner Fahrzeuge, die er zu tragen vermag, die Seen sind ihm nur interessant, wenn sie sich trocken legen lassen, um Zuckerrohr und Mais auf ihrem Grunde zu bauen, und die Meeresküsten, wenn sie seiner Schifffahrt bequeme Häfen bieten. Wie wenig dadurch das Schöne an’s Licht gefördert, noch viel öfter aber durch die Nutzbarmachung zerstört wird, läßt sich denken; mancher der schönsten Wasserfälle, wie der des Genessee in Rochester, ist gezwungen worden, jeden Tropfen seines Wassers
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 52. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/62&oldid=- (Version vom 3.1.2026)