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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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diese sich öffnete, im Innern sich umzuschauen. Er ging von Zimmer zu Zimmer und befand sich plötzlich – vor dem Präsidenten. Eine gestammelte Entschuldigung wurde nicht angenommen, sondern der versuchte eilige Rückzug mit zuvorkommender Freundlichkeit abgeschnitten, ein paar artige Worte der Unterhaltung gewechselt und dann der freche Eindringling eingeladen, seine Wanderung durch die präsidentlichen Gemächer ungenirt fortzusetzen. Wäre dem Schreiber dies bei dem kleinsten europäischen Machthaber passirt, dürfte er sich jetzt wohl schwerlich mehr gesunder Gliedmaßen erfreuen.
Das Patent-Office beherbergt zunächst und zumeist die Modelle (18,000 an der Zahl) und Zeichnungen nebst Beschreibungen von Maschinen, Werkzeugen, Verfahrungsarten etc., auf welche Patente nachgesucht worden sind. Es zählt dieses Amt 150 Beamte und 25 Boten und Aufseher. Seine Hauptaufgabe ist, außer der Prüfung der vorgelegten Erfindungen und Verbesserungen, die jährlichen Leistungen auf dem Gebiete des Ackerbaues, der Industrie und des Handels zur allgemeinen Kunde zu bringen und die ausgedehntesten statistischen Nachrichten darüber zu liefern. Im oberen Stockwerke hat man eine National-Gallerie von allen für die Geschichte Amerika’s interessanten Gegenständen angelegt, deren man habhaft werden konnte. So sieht man unter Anderem die Original-Unabhängigkeits-Urkunde, diesen kostbarsten Juwel des amerikanischen Volks, unter Glas und Rahmen aufbewahrt, die Presse, auf welcher Franklin eigenhändig druckte, Reliquien von Washington, wie Uniform, Säbel und Feldschatulle u. s. w. Von allgemeinem Interesse sind die ethnologischen und naturhistorischen Sammlungen, zu denen namentlich die auf Staatskosten ausgesandten Expeditionen nach den Indianergebieten des Westens, nach Süd- und Central-Amerika sehr werthvolle Beiträge liefern.
Die rasch wachsende Ausdehnung dieser Sammlungen wie der in ihm verhandelten Staatsgeschäfte läßt den imposanten Bau des Patent-Office bereits zu klein erscheinen und sollen noch zwei symmetrische Flügel angebaut werden.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 61. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/71&oldid=- (Version vom 3.1.2026)