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Grindelwald.




Das Land zwischen Aar und Rhone, Emmen und Reuß, das Berner Oberland, das Herz der Schweiz, das strahlende Diadem auf diesem Meisterwerk der Schöpfung, das Mekka von jährlich hunderttausend Wallfahrern aus allen Richtungen der Windrose, dieses kleine Stückchen Land ist das Füllhorn, welches schon die anmuthigsten Bilder in unser Universum gestreut hat und doch so unerschöpflich bleibt, daß es noch hunderte von Bänden mit immer neuen, immer lieblicheren, immer großartigeren, immer interessanteren Blättern füllen könnte. Da ist kein Thal, welches nicht bei jeder Wendung, vor oder rückwärts, eine neue überraschende Ansicht darbietet, keine Bergspitze, kein Paß, von dem nicht ein neues Panorama das Auge entzückt, kein See, von dessen Ufern, auf jeder Landzunge, hinter jedem Felsvorsprung nicht der Blick eine neue Scenerie entdeckt, oder von dessen Dampfboot aus fast jeder Räderschlag nicht ein neues Schauspiel herbeizaubert; sicherlich, es gibt kein zweites Fleckchen auf der Erde, das in so kleinem Umfang einen solchen Reichthum, eine solche Mannichfaltigkeit des Naturschönen, und beides in so hoher Potenz vereinigt, als das kleine sogenannte Oberland vom Kanton Bern.

Es ist auffallend, daß die Alten, die doch Helvetien zur römischen Provinz gemacht, bewohnt, bebaut und beschrieben haben, das Berner Oberland nicht kannten; die römischen Adler wagten sich nicht in dieses Revier des Aars der Alpen, sonst hätte der poetische Sinn des Alterthums sicher unter die silbernen Hörner und vergoldeten Zinnen der Alpen den Haushalt ihrer Götter versehen müssen, welche sie auf den bescheidenen Höhen des Olymp und Parnaß einquartiert hatten. Welch eine Götterburg, die Berner Alpenwelt! Fühlt sich doch jetzt noch der gläubige Mensch der Gottheit näher, wenn er in diesen Riesentempel eintritt, den die Titanenkräfte der Erde zur Ehre ihres Schöpfers hier aufgethürmt haben. Dort oben unter den Firnen des ewigen Schnees, den Wohnplätzen des sichtbaren Lebens entrückt, von den Fühlhörnern der Erde zu lichteren, leichteren Regionen des Aethers emporgetragen, umweht den Menschen der Odem einer unsichtbaren Geisterwelt; nie Gedachtes, nie Empfundenes,