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Unbeschreibliches erfüllt die Seele, die es mit unwiderstehlicher Sehnsucht hinauslockt aus ihrer engen Zelle, um frei dem Sonnenflug des Adlers zu folgen und sich mit den Winden und Wolken, den Gluthstrahlen der Sonne und dem Silberlicht des Mondes um die blanken Scheitel der Bergriesen zu tummeln, an den jähen Felswänden zu schweben und in den tiefblauen Gletschergründen sich zu ergehen; zum bedeutungslosen Nichts schrumpft das eigene Ich zusammen vor den Größen, die es umgeben und die des Menschen Sinne und Begriffe nicht zu erfassen, deren Eindrücke sie nicht zu bemeistern vermögen; es drängt den Geist, sich aufzulösen in die Unermeßlichkeit, und seinen Fesseln, mit denen er an dem Quadratfuß Erdrinde unter seinen Füßen klebt, zuzurufen: was willst du gebrechliches Gefüge in diesen hohen Regionen, die nicht für deines Gleichen sind, in diesen Höhen weit über der Heimath irdischen Lebens, innerhalb dieser starren, zum Himmel ragenden Fels- und Gletscherwände, wo nur die luftigen Geister hausen, in diesen fernen, fremden Räumen, wo die Natur in der Erhabenheit und Feierstille des Schöpfungsmorgens beharrt? Hinab mit dir in die Niederungen der Erde, kriege dort mit dem Wurm, und laß mich frei! – Welcher fühlende Mensch, der je da oben stand, ward nicht von solchen Gedanken bewegt? – Und doch hat er’s dem verachteten Werkzeug seiner Füße zu danken, daß sie ihn dahin getragen, wo die Seele sich in freierem Flügelschlage bewegen möchte, als sie in der dicken Luft der Ebene, oder in den engen Räumen der Thäler je geahnet; diese armselige Maschine ist es ja, mit welcher der Bergsteiger mühsam Tritt um Tritt, Staffel um Staffel an der schwindelnden Felswand emporklimmt, welche ihn über die Zone des thierischen Daseins, über die Grenze des Pflanzenlebens hinausführt, hinauf in die fühlbare Nähe der Gottheit. Und wenn dort auch der Versucher an ihn herantritt und ihm Unmuth einflüstert über menschliche Schwäche, Kleinheit und Vergänglichkeit, so gedenke er seiner Mitgeschöpfe, die sich mit ihm in die Herrschaft der Erde theilen, des Thieres, dem die Grenzen seines Daseins noch enger gezogen, dem die Bedingungen seiner Existenz noch sparsamer zugemessen, das nie die Zone verläßt, die der Schöpfer ihm angewiesen hat. Auch das ist ein naher Gedanke da, wo nichts an Menschengröße und Menschenwerk erinnert, wo der Urzustand der Natur so ganz und gar die Seele erfüllt und in so gewaltigen Erscheinungen auf die Sinne wirkt, daß der Mensch in sich nichts mehr gewahrt, als das unendlich kleine, nichts bedeutende Geschöpf in der unendlichen Reihe der Schöpfungswerke, als das verirrte Atom in dieser Welt von Riesenkräften und Riesengestalten. – Und bescheidener sucht er seinen Weg abwärts zu der kleinern Welt, der er physisch angehört.

Das Berner Oberland erhebt sich von den beiden großen Reservoirs der Aar, den Brienzer und Thuner Seen, fächerförmig gegen Süden zu der Kette der Jungfrau, des Mönch, Eiger, Wetterhorn, Schreckhorn etc., die mit ihren Firsten 10–12,000 Fuß in die Wolken ragen, und die Wasser der Aar von denen der Rhone, den deutschen von dem wälschen Strom scheiden. Zu den beiden genannten Wasserspiegeln senden die Berner Alpen