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ein im Sturm erstarrtes Meer, die bekannteste, weil zugänglichste, aber auch vielleicht die bizarrste und interessanteste aller verwandten Eisbildungen; er füllt mit seiner ganzen Breite von 1½ Stunde die schroff gespaltene Schlucht zwischen dem Mattenberg und Eiger aus und setzt bis zu den Schneefeldern der Vischerhörner und des Finsteraarhorns fort, welche aus dem Hintergrund über ihn hervorragen. Die Schrecken und Schauer der Gletscherwelt sind nicht zu schildern, wie Jeder eingestehen muß, der sie empfunden hat. Wenn der kühne Tourist auf dem Grindelwalder Eismeer glücklich so weit vorgedrungen ist, daß die Aussicht nach dem Thalgrunde rückwärts ihm entschwindet, nach dem einzigen Fleckchen, das die wild erregte Phantasie noch mit der kürzlich verlassenen Region der Lebenserscheinungen versöhnt, dann stürmen die Eindrücke der furchtbaren Umgebung so unaufhaltsam, so unwiderstehlich auch auf das stärkste Gemüth ein, daß alle Kraft der Vernunft dazu gehört, um nicht dem Gedanken zu unterliegen, daß man in eine Welt des ewigen Todes, in ein Alles verschlingendes, Alles vernichtendes Grab ewigen Eises versetzt sei. Nicht nur erbebt das Auge vor den allerwärts umherstarrenden Eiskolossen von bizarrster Gestalt und verwegenster Gruppirung, nicht nur gähnt der Tod aus tausend Schlünden und Abgründen auf jeder Spanne Wegs, nicht nur erdrücken den Blick die bald senkrechten, bald überhängenden Felsenmassen von schwindelnder Höhe, rechts und links, auch das Ohr wird unaufhörlich erschreckt vom unterirdischen Donner zusammenbrechender Eisgewölbe, vom schrillen Krachen und unheimlich widerhallenden Echo der sich spaltenden Eisdecke, von dem Getöse der Gletscherbäche, welche durch die Spalten stürzen oder unter der verrätherischen Brücke ungesehen dahin brausen, oder in Sommerszeit von den furchtbaren Schneemassen und Lavinen, die sich häuptlings an den Schneewänden lösen und mit erschrecklichem Dröhnen sich auf das gebrechliche Eisbette stürzen. Das Gefühl der Gefahr, das Bewußtsein der eigenen Hülflosigkeit und Verlassenheit, das hier jede, wenn nicht durch Gewohnheit oder Indolenz abgestumpfte Natur überwältigt, ist dem des schiffbrüchig im Sturm, in Mitten des Oceans Treibenden zu vergleichen, entbehrt aber des letzten mit dem Leben vermittelnden Elements, der Empfindung der Bewegung. Um so unendlich unheimlicher, unerträglicher ist der Eindruck jener todten, starren Gletscherwelt.

Der Grindelwaldgletscher schiebt seine Moräne bis zur Thalebene vor. Wenige Schritte von dem Eisthor, aus dem die schwarze Lütschine ihre schaumigen Wasser hervorwälzt, spottet eine üppige Alpenflora des dräuenden Memento mori und reifen schmackhafte Erdbeeren. So nahe wohnen die Schrecken des Todes und die Lust blühenden Lebens in dieser wunderbaren Natur beisammen.