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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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In Amerika, dem Land der Sklaverei mit der Freiheitsmütze, dem konstitutionsstolzen Land ohne Gerechtigkeit und Gesetz, dem gelobten Land der Korruption, des Eigennutzes und der Dollarjägerei, der Wiege des Schwindels und geheiligten Betrugs, dem Vaterland des Rowdyismus, des modernen Faustrechts und der Freibeuterei, des licensirten Unglaubens und der Gottesleugnerei, dem Asyl von Zucht- und Tollhäuslern, von Demagogen, Dieben und Mördern. So pflegt man beredter Weise dieses Land heut zu Tage zu kennzeichnen. – Sieht das schmucke Wheeling denn auch aus, wie Gewächs eines solchen giftathmenden stinkenden Sumpfes? Ihr Lästerer von Amts- oder Unverstandswegen, die ihr jenes Land so eifrig schmäht, und ihr Leichtgläubigen und Bethörten, die ihr so eifrig die Lästerungen nachbetet, schaut her; schaut näher, ihr Splitterrichter und vergeßt nicht des Balkens in eurem Auge, fegt vor eurer eigenen Thüre, ehe ihr den Nächsten mit Koth bewerfet. Allerdings besteht in Amerika Sklaverei der Schwarzen; wer anders hat sie aber dahin gebracht, als eine mit Erleuchtung sich brüstende, Civilisation und Humanität im Munde führende europäische Großmacht, die heute noch – freie Einwanderung, so ist’s umgetauft, mit Negern und Kulis treibt und Millionen armer Hindus auf ihren Zucker- und Indigoplantagen, in ihren Reis- und Baumwollfeldern, in ihren Wohnungen und auf ihren Schiffswerften nichts Besseres noch Anderes als Sklavenarbeit verrichten läßt. Und hat nicht in Europa Jahrhunderte lang Leibeigenschaft bestanden? und war noch bis vor Kurzem und ist theilweise noch heute der zins-, robot- und frohndenpflichtige Weiße etwas Besseres? Endlich, besteht denn die Freiheit so manches Freien bei uns in etwas Anderem, als der Freiheit, zu verhungern, wenn er nicht für seinen Brodherrn arbeitet um das ihm zugemessene schmale Stückchen Brod, in Schlesien, im Erzgebirge, in so vielen Fabrikdistrikten Deutschlands, in den belgischen Spinnereien und Spitzenfabriken, in den englischen Kohlenwerken, auf den Gütern der irischen Großen, wo überhaupt nicht, mehr oder minder? So wahr die Thatsache ist, daß das materielle Loos des Schwarzen in Amerika von jedem europäischen Handlöhner und selbst Fabrikarbeiter beneidet zu werden verdient, so kann doch nur der bornirteste Verstand und das vertrocknetste Herz darin eine Vertheidigung der Sklaverei suchen; man wisse aber auch, daß nirgends mehr, als im eigenen Land dieses fluchwürdige Institut, diese Erbschaft
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 70. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/80&oldid=- (Version vom 3.1.2026)