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„Misda scheint eine sehr alte Niederlassung der Eingeborenen von Nordafrika, der Berbern, zu sein. Selbst jetzt, obwohl vielfach mit Arabern vermischt, haben sie nicht ganz ihr Berberidiom verloren. Die Brunnen sind von geringer Tiefe und das Wasser wird mit Hülfe von Rindern heraufgezogen; da es aber gegenwärtig nur noch drei Exemplare dieser werthvollen Thiere hier gibt, so werden bei weitem nicht alle Brunnen benutzt, die benutzt werden könnten. Daß der Anbau in früheren Zeiten ungleich ausgedehnter war, beweisen zur Genüge die Brunnenpfeiler, welche auf ansehnliche Entfernung sich in die Ebene hinaus erstrecken. Das Dorf besteht, wie schon bemerkt, aus zwei Quartieren, deren Bewohner früher in beständiger Fehde mit einander lebten. Die westliche Dorfschaft ist die bei weitem größere; hohe runde Thürme mit Reihen von Schießscharten geben ihr den Charakter einer Befestigung. Die Doppelmauer, absichtlich in vielen Winkeln gebaut, ist sehr verfallen, ebenso liegt ein Theil der Häuser im Schutt. Trotz seines Verfalls zählt der Platz noch an 100 waffenfähige Männer. Der Umfang des Dorfes, ein nahe gelegenes kleines Palmenwäldchen eingeschlossen, mißt ungefähr ½ Stunde. Etwa 400 Schritte entfernt, liegt das zweite kleinere Dorf; nahe dabei eine Gruppe von kleinen Gärten, mit einer Mauer umgeben, aber in vernachlässigtem Zustand. Zu diesem Quartier, welches im Innern weniger verfallen ist, gehört ein großes, maurisches Kloster, dessen Bewohner aus acht heiligen Tauben und einem alten gelehrten Araber bestehen, der sie hütet. Von besonderer Wichtigkeit als Karavaneneinkehr ist diese kleine Oase noch deshalb, weil in ihr zwei Hauptstraßen, die eine von Murzuk, die andere von Ghadames, zusammen treffen. Ein solcher Verkehr bedingt auch den Charakter der Bewohner. Diese sind wohlwollend und erfreuen sich des Rufes großer Redlichkeit.“

Dem genannten kühnen Berichterstatter verdankt die Wissenschaft hauptsächlich die Kunde von diesem mittleren Oasenzug der Sahara, namentlich in der von Europäern bisher noch nicht betretenen Richtung von Murzuk über Air und Agades nach Kairo. Spätere Blätter führen uns dahin zurück. Verlassen wir für diesmal das trostlose Wüstenbild mit der malerischen Vorstellung, welche unseres Dichters Worte von ihm geben:

Sie liegt vor Gott in ihrer Leere
Wie eine leere Bettlerfaust.
Die leeren, trocknen Wasserrinnen,
Die ausgefahrnen Gleise, drinnen
Der Karavanen Rad sich wand,
Die Pfade, die die Thiere traben,
Sind, von der Gottheit selbst gegraben,
Die Furchen dieser Bettlerhand.