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Die Wartburg.




„Zepter brechen, Waffen rosten, der Arm der Helden verwest:
was in den Geist gelegt ist, ist ewig!“
 (J. v. Müller.)

Gib mir einen Stein, den ein großer Gedanke geweiht hat, und ich überlasse den Schilderern und Dichtern alle Schlösser voll eitler Pracht. – Groß aber nenne ich nur den Gedanken, dem eine die Menschheit erhebende, das Menschenthum fördernde Kraft innewohnt, eine schöpferische Idee, welche die Entwickelung unseres Geschlechts auf dem Pfade des Lichts und der Freiheit vorwärts führt und darum das Anrecht auf Unvergänglichkeit in sich trägt. – Wozu aber einem solchen Gedanken noch ein Denkmal?

Und doch, während Tausende von Ehrensäulen der Menschengröße unter Schutt und Moos und in Vergessenheit versinken, um den Stein, den ein großer Gedanke geweiht hat, windet die Dankbarkeit der spätesten Enkel noch einen immergrünen Kranz des Ruhmes, und manche junge Hand legt auf dem grauen Zeugen der Vergangenheit stille heilige Eide ab, in denen gute Thaten der Zukunft keimen.

Jedes Volk hat solch ein Denkmal großer Gedanken in seiner Geschichte.

Ein sinkendes Volk verscheucht die Weihe aus dem Tempel der Vorfahren und wandelt ihn um zum Stall für den Nutzen des Augenblicks, ein gesunkenes gibt die Heiligthümer seiner Vergangenheit ohne Scheu und Scham dem Fremden, dem Raub, der Zerstörung Preis; wo aber Volk und Denkmal noch aufrecht in der Gegenwart stehen, da wallfahrtet die begeisterte Jugend wie der ernste Mann an allen hohen Festtagen des