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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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Mordhandwerks. Ihr winkten andere Kränze, als blutige, denn als der wiedererwachte Geist des deutschen Volks den Sieg errungen hatte über die fremden Knechte, hing Deutschlands edelste Jugend an den Mauern der Wartburg den Kranz der Freiheit auf. Und gerade weil der Undank der Fürsten den Kranz zerriß, gerade weil viele jener braven, nur für des Vaterlandes Heil begeisterten Jünglinge aus dem wonnigen Traum der Freiheit im Kerker erwachen mußten, gerade deshalb blieb fortan die Wartburg der heilige Wallfahrtsort der Deutschen zur Ehrenfeier für jeden freien Gedanken, für jede aufflammende Hoffnung, für jedes Hochgefühl der Vergangenheit, für jedes edle Streben der Jugend, edle Wirken der Männer, für jede wahrhaft deutsche That.
Das ist die unvergleichliche Krone der Wartburg: aus den Kränzen deutscher Kunst, Geistesfreiheit und Vaterlandsehre gewunden und auf die Zinnen gelegt durch den dankbaren Willen der Nation.
Laßt uns einen Gang thun durch die Bilderreihe ihrer Geschichte! – Noch ragen dieselben Felsen durch die Jahrhunderte und über das gefallene Laub von tausend Geschlechtern empor, auf denen der wackere Springer rief: „Wart’, Berg, du sollst mir eine Burg werden!“ Gelehrte Leute bezweifeln das; wir glauben daran. Und die Burg war erst zwölf Jahre alt, als die Weltgeschichte zum ersten Male bis zu ihrem Fels vordrang: Kaiser Heinrich IV. ward (1080) zu ihren Füßen von seinen Widersachern angegriffen und geschlagen. – Weiter sehen wir des Saliers Sohn Ludwig als den ersten Landgrafen des Thüringerlandes, und dessen Sohn, den Eisernen, als ein Ritterbild, das noch heute im Wald lebendig einhergeht mit seinem Ruhlaer Schmied und dem Adel am Pfluge. Nun reitet Landgraf Herman heran mit dem Generalstab seines Ruhms: da ist Heinrich von Veldeck, „der stolze wohlgeborene Mann und Ritter“, Walther von der Vogelweide, Reinhard von Zwetzen, Wolfram von Eschenbach, Biterolf, Heinrich von Ofterdingen und endlich Meister Klingsor vom Ungarland, der wunderreiche Mann, welcher einst die Geburt jener gottgeweihten Elisabeth verkündigte, durch deren himmelstrebende Frömmigkeit um die Wartburg auch der Heiligenschein des alten Glaubens gelegt wurde. Daß die Sänger des Wartburgkriegs nichts Höheres zu preisen wußten, als „ihre Herren“, lag weniger im Geiste jener Zeit, als im deutschen Geist; – („Weß Brod ich eß’, deß Lied ich sing’“) – denn als ein Richard späterer Jahrhunderte den Text poetisch und praktisch änderte, ward er verbannt. – Das rührendste Bild der Gattenliebe steigt mit Ludwig und Elisabeth auf den Berg: „sie küßte ihn mit Herzen und mit Mund – mehr denn tausend Stund’!“ Aber die Farbe dieser Liebe war nicht das Roth der Rose, sondern das reinste Himmelblau. Und als der „Kumpan des Krämers“ das Kreuz nahm und im gelobten Lande dahinstarb, wäre durch Heinrich Raspe, den „Pfaffenkönig“, die Wartburg in kaiserlichen Ehren beinahe die Schwester der Schwarzburg geworden. Es ist aber schöner für sie, daß in ihr der arme Heinrich an der Reue der Untreu starb. Von jetzt an blinken in dem Glanz des strahlenden Fürstensitzes häufig die Thränen des Unglücks, die von der heiligen Elisabeth, der verstoßenen
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 84. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/94&oldid=- (Version vom 4.1.2026)