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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band | |
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und verlassenen, zuerst dort vergossen waren. – Der „Heiligen“ Enkel war jenes „Kind von Brabant“, dem Heinrich der Erlauchte erst Vormund, dann Feind wurde. Da rasselte der Kampf um die Mauern und die Bürgertreue legte einen neuen Kranz auf sie, denn die muthigen Worte Heinrichs von Velsbach, als er, durch eine Blyde geschleudert, in den Abgrund flog, sind in den Jahrhunderten nicht verhallt: „Und Thüringen gehört doch dem Kinde von Brabant!“ – Welch reiches Bild wird nun vor uns aufgerollt: der unartige Albrecht und die treue Margaretha, getrennt durch die Buhlerin von Eisenberg. Mordgedanken schleichen nächtlich durch die Burg dem Jammer der unglücklichen Mutter nach, die das Maal des Scheideschmerzes auf die Wange des liebsten Kindes drückt. Die Untreue siegt. Dort sehen wir den gebissenen Knaben als blühenden Jüngling wieder, aber hinter den Riegeln des Kerkers, während das italische Erbe seiner kaiserlichen Mutter ihm winkt, bis es verloren ist, und Kunigunde und Apitz, dem bösen Sinn des Alten schmeichelnd, in der Fülle des Unrechts schwärmen. Beide besiegt der Tod. Friedrich wird frei, eine dritte Gemahlin tritt an des Unartigen Seite, aber neben ihr steht die schöne Tochter, eine Elisabeth im blühendsten Rosenroth der Liebe. Da kommt die Sühne: der „kecke“ Friedrich wird zum „Freudigen“; er raubt sich die Stiefschwester und führt sie als Gattin nach Arnshaug, und wie nun der grollende Vater der Kinder Erbe dem Kaiser verkauft und solche Unthat triumphirend von der Wartburg in das verwüstete Land hinabschaut, da erobert der bessere Sohn das entweihete Schloß, verbannt den grauen Uebelthäter nach Erfurt und pflanzt auf dem ragenden Burgfried das vereinigte Banner seiner Herrschaft über Thüringen und Meißen. Nie haben die Liebe und das Recht einen schöneren Siegeseinzug in einer Fürstenburg gefeiert! – Aber das Dritte zur Vollendung des Glückes fehlte: der Friede. Des Reiches Schaaren ziehen abermals heran, denn Eisenach will freie Reichsstadt werden. Sie rannten hart gegen die Mauern, hinter welchen die schöne Elisabeth ihr neugeborenes Töchterlein an das Herz drückte. Wer weiß, was geschehen wäre, wenn auf dem kühnen Ritt zum Taufsteine das Kind nicht hätte trinken müssen, „und sollt’ es auch das Thüringer Land kosten!“ Das Kind trank, der Vater siegte und der Friede zog in die Wartburg ein, mit ihm so hohe „Lustbarkeit in Thüringen“, wie sie von Fürstenhand nie wieder erneuet werden konnte. Selbst das tragische Ende dieses epischen Bildes stört das Kunstwerk der Geschichte nicht: der freudige Friedrich starb an einem geistlichen Schauspiel, denn daß die „thörichten Jungfrauen“ ewig verdammt sein sollten troz der Fürbitten der Mutter Gottes, betrübte den Greis zu sehr, und er verging an der Schwermuth darüber.
Hiermit schließt die alte fürstliche Glanzzeit unserer Wartburg; sie hatte sich an Herrlichem erschöpft, wenn auch der Fürstenthron noch hundert Jahre in ihr stand. Die beiden nächsten Friedriche, welche das Landgrafenbanner hielten, heißen zwar „ernsthafte“ und „strenge“, aber „friedfertig“ waren sie, wie der vierte
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1859, Seite 85. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_20._Band_1859.djvu/95&oldid=- (Version vom 4.1.2026)