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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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Trommeln haben einen Klang, der so fröhlich macht wie das ganze Jahr nicht wieder. Auch das ist ganz gewiß, daß die vergoldeten Nüsse viel besser schmecken, als die gewöhnlichen zu anderer Zeit.
Wenn nun aber gar der heilige Abend da ist, da wundern sich die Schlittschuhe den ganzen Tag, denn sie bleiben im Schranke liegen, und die Schlitten stehen im Holzstalle, und Niemand fragt nach ihnen. Was fehlt euch denn, Kinder, daß ihr auf der Gasse so still mit einander plaudert? Und dort sitzen sie am Ofen und wispern sich in die Ohren? Was denn? Ja, das sind gar ernste Bedenken, ob das Christkindlein den rechten Wunsch des Kindesherzens wohl errathen hat, das sind tiefe Vermuthungen über die aufgefangenen Worte, welche die Aeltern und die großen Geschwister so unversehens haben fallen lassen, das sind beklemmte Zweifel, ob das Christkindlein wirklich dahinter gekommen ist, daß man da und da und da doch einmal nicht folgsam gewesen ist. Und immer näher rückt die Zeit mit dem entscheidenden Augenblick, und nun ruft man euch in’s Haus, und da steht ihr vor der Thür, hinter welcher das große Geheimniß schon offenbar da liegt. O süße, das ganze Herz durchzitternde Pein des Harrens! Nur nicht zu lange! – Ach! Auf geht die Thür, und der entzückendste Lichtstrahl dringt in die glücklichsten Augen!
Ihr wißt’s doch recht genau, wie schön die Christbescherung thut: ich sehe es an euren funkelnden Blicken. Nicht wahr, schon die Erinnerung daran macht ganz selig! Wahrlich, der Reichthum der ganzen Menschheit zusammen wiegt dieses Festes Freude nicht auf!
Denn bedenkt nur, Kinder, wie viel ihr eurer hier in eurem Heimathorte seid. Und in den Dörfern und Städten unseres Landes sind wieder viele Tausend Kinder, die sich zur Christnacht freuen, wie ihr. Und wieder, im ganzen deutschen Vaterlande, droben von den Küsten der Meere an bis hinunter in die Thäler der großen Gebirge, da geht’s schon in die Millionen, und alle freuen sich am Christkindlein! Und jenseits unserer deutschen Berge und Ströme und jenseits des Meers wohnen auch Christen und lacht wieder vielen Millionen Kindern das Herz vor Weihnachtslust, wie uns! Wer zählt die glücklichen Kinderherzen nur von einer einzigen Weihnacht auf der weiten runden Erde zusammen! – Und das schöpft den Freudenbrunnen noch nicht aus, denn, Kinder, freut ihr euch denn allein? Freuen sich nicht eure Aeltern und großen Geschwister alle mit? Nun zählt einmal die Jahre aller Aeltern und aller Geschwister auf der ganzen Erde zusammen, die sich mit euch freuten, ach, gibt das eine Freudenzahl! Und das ist noch immer nicht genug! Wie ihr, freuten sich vor euch alle Kinder, seit Christus auf die Welt gekommen und seine Lehre der Menschheit verkündigt ist: das macht weit über tausend Weihnachtfeste! Wo wäre der Sterbliche, der die Zahl der Weihnachtfreuden der Menschheit ergründen, der die Augen zählen wollte, die je in Weihnachtwonne glänzten!
Da muß wohl jedes gute Herz fragen: Woher ist diese Freude gekommen?
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 93. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/103&oldid=- (Version vom 17.1.2026)