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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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Ihr wißt es alle, lieben Kinder, aber es ist gar schön und dankbar, sich immer wieder daran zu erinnern. Darum singen wir es uns, der Kinderfest-Dichter[1] hat uns ja das Lied dazu gedichtet:
Im Morgenland, im gelobten Land,
Wo um die ragenden Palmen
Der königliche Sänger wand
Den ewigen Kranz der Psalmen,
Da wandern von Nazareth den Pfad
Maria und Joseph zu Davids Stadt.
Gen Bethlehem, nach Roms Gebot,
Daß sie geschützet würden,
So wandern sie im Abendroth
Vorbei an Heerden und Hürden.
Die Herberg gibt nur ein Eckchen Raum,
Zum Lager nicht ein Flöckchen Flaum.
Da war Mariä Zeit erfüllt,
Sie drückt ein Kind an die Lippen
Und legt es, in arme Windeln gehüllt,
Auf das Stroh in einer Krippen.
Doch über der Krippe, in Himmelsfern’,
Da strahlt des Kindes schöner Stern.
Den Hirten des Feldes ein Engel naht,
Umleuchtet von göttlicher Klarheit.
Und wie er mild zu ihnen trat,
Zu verkünden die göttliche Wahrheit,
Erschrecken die Hirten und fürchten sich sehr,
Doch der Engel verkündet die neue Mähr.
Da kamen die Hirten zur Krippe in Eil;
Und sie sahen, was die Engel verheißen,
Und knieeten nieder, das göttliche Heil
Zu segnen und zu preisen,
Und sie lobten und priesen mit lautem Schall
Den Herrn für das Kindlein im armen Stall.
Und Maria behält jedwedes Wort,
Von Engeln und Hirten gesungen,
Und birgt es im Herzen fort und fort,
Und keines ist verklungen!
Wir aber jauchzen, daß Jesus Christ
Uns immer neu geboren ist!
In der Freude unserer Herzen – auf nach Bethlehem! Kommt, Kinder, ihr geht alle mit!
Denkt euch einmal, ihr ginget aus einer Stadt auf’s Land hinaus, und zwar heißt diese Stadt – Jerusalem, und das Thor, durch welches wir gehen müssen, um nach Bethlehem zu kommen, nennen sie das Jeffa- oder das Pilgerthor. Von da wandeln wir südwärts, schreiten über die Brücke des Gihonbachs und stehen hier vor dem Berge, auf dessen Zinnen einst der Böse den Herrn versucht hat. An diesem Berge des bösen Raths steigen wir rechter Hand hinan. Da gelangen wir zu einem großen Terebinthenbaum. Hier ruht es sich gut unter der heißen Sonne. Auch Maria und Joseph sollen mit dem Christuskinde in seinem Schatten ausgeruht haben. Seitdem knieten hier viele Tausend Pilger und beteten.
- ↑ Friedrich Hofmann.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 94. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/104&oldid=- (Version vom 17.1.2026)