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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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Ein weitläufiges Gebäude aus schlichtem Backstein, ohne besondere architektonische Schönheit, ohne Schmuck im Innern, mitten im Gedränge des belebtesten Stadttheils gelegen und umgeben von hundertjährigen Spuren der geschäftlichen Unruhe und Arbeit um die alltäglichen Bedürfnisse des Lebens – das ist Faneuil-Hall. Es hat keinen Reiz für die Phantasie des Künstlers, keinen für den Touristen, der ästhetische Eindrücke liebt.
Und doch ist dies schmucklose Gebäude der Stolz der Stadt Boston, und der Amerikaner, der die Geschichte seines Landes kennt, fühlt sich von Stolz und Ehrfurcht erfüllt bei dem Namen dieses Hauses. Und nicht bloß so in Amerika. Ueberall, wo patriotische Herzen für Vaterland und Freiheit schlagen, wo kühne Geister sich erheben gegen den Druck despotischer Gewalten, wo das Schwert gezogen ist zur Vertheidigung der ewigen Rechte der Menschheit – überall da wird der Name Faneuil-Hall verehrt wie ein Talisman heilbringender Bedeutung und entzündet in den Herzen die Flamme der Begeisterung, wie die Erinnerung an einen Washington, Frankin, Lafayette! – Warum dies?
Faneuil-Hall ist mit der Entwickelung des amerikanischen Volkes unauflöslich verwoben, es ist die „Wiege seiner Freiheit!“ In den Versammlungen, die in den Räumen dieses Hauses gehalten wurden, äußerte sich zuerst und in der entschiedensten Weise die Meinung des Volkes gegen die wachsenden Uebergriffe der britischen Krone; hier hatten die Vorspiele der Revolution statt, hier wurde der Widerstand geschürt, der sich bald über das ganze Land verbreitete, hier erschollen die patriotischen Reden eines Samuel Adams und James Otis, der eigentlichen Helden von Faneuil-Hall, die durch die Gewalt ihres Worts das Volk von Boston zu jener Freiheitsliebe entflammten, die sich im großen Revolutionskampf durch so heroische Thaten kund gab. – Das ist’s, was Faneuil-Hall dem Amerikaner theuer macht, theuer als ein Denkmal des Muthes und der Aufopferung, mit der seine Vorfahren
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 104. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/114&oldid=- (Version vom 17.1.2026)