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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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Aus der Schaar dieser wackern Patrioten, die, von solchem Geiste erfüllt, die Leitung der Opposition in Faneuil-Hall in ihre Hand nahmen, heben sich zwei Gestalten besonders achtunggebietend und einflußreich hervor. Es sind James Otis und Samuel Adams, die durch ihre gewaltige Beredsamkeit bald mahnend, bald warnend, bald anfeuernd und begeisternd, immer aber unwiderstehlich auf das Volk von Boston einwirkten. Der Erstere, Otis, war gebürtig aus Barnstable, einer alten Stadt auf Cape Cod, und seine leidenschaftliche Natur scheint Nahrung gesogen zu haben aus den wilden Stürmen und den erhabenen Bildern des Oceans, in dessen Angesicht er aufwuchs. Mit der ganzen Energie seiner Feuerseele ergriff er die Sache des Volkes und behauptete seinen Posten an der Spitze der Patrioten, so lange er nur Kraft hatte, seine Stimme zu erheben. Der Lebensnerv in seinem Wesen war Haß und Opposition gegen jene Willkür-Herrschaft, die bereits einem englischen Könige den Kopf, einem andern den Thron gekostet hatte; dabei aber beseelte ihn eine so rein sittliche Begeisterung, daß er das theuerste Gut des Lebens zu opfern fähig war, wenn das Vaterland es gebot. Seine Reden rissen hin, entflammten, überwältigten. Wohl niemals hat das Gewölbe von Faneuil-Hall von ergreifendern Worten wiedergehallt, wie an jenem Tage, da James Otis die göttliche Gerechtigkeit anrief als Bundesgenossin der Sache der Volksfreiheit. – Eine Persönlichkeit von anderem Gepräge war Samuel Adams. Seine Erscheinung in den Versammlungen von Faneuil-Hall glich der eines Propheten. Er beherrschte die Meinung des Volkes durch den Ernst und die Tiefe seiner Ueberzeugung, durch die Würde seiner Rede und seines Benehmens, durch die Reinheit und Uneigennützigkeit seines Wandels. Jefferson nennt ihn einen großen Mann, weise im Rath, fruchtbar an Mitteln, unerschütterlich in seinen Vorsätzen. In Boston geboren, war Adams im Glauben und den Gebräuchen der Puritaner erzogen und blieb ihnen zeitlebens treu. Reichthum, Ehren, Ruhm hatten keinenReiz für ihn. Aus innerem Antrieb aber widmete er sich der Sache des Vaterlandes. Seine Liebe zur Freiheit war gegründet auf den Felsen seiner Ueberzeugung, und nichts vermochte diese zu erschüttern. Dabei war er frei von jener Rauhheit und Strenge der Gemüthsart, die mit ähnlichen Charakterzügen so oft verbunden ist. Von seinen Lippen flossen die Worte der Ueberredung. Keinem lauschte man in den stürmischen Versammlungen von Faneuil-Hall mit größerer Aufmerksamkeit als ihm. Mit dem vollen Glauben an seine Person nahm das Volk seine Darlegungen auf, und selten wurde von ihm eine Maßregel in Vorschlag gebracht, die man nicht beifällig angenommen hätte.
Die Volksversammlungen unter der Leitung solcher Männer mußten bald bedeutungsvoll werden. Die erste wichtigere wurde durch die Nachricht veranlaßt, daß das britische Ministerium eine Truppenabtheilung nach Boston zu legen beabsichtige. Sie fand statt am 12. September 1768. Bei der Liebe zu religiösen Gebräuchen, welche der puritanischen Bevölkerung Bostons eigen ist, wurde dieselbe mit feierlichem Gebet eröffnet. Einer der hervorragendsten Geistlichen jener Tage, der beredte Cooper, gleich sehr erfüllt von Patriotismus wie von Frömmigkeit,
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 106. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/116&oldid=- (Version vom 17.1.2026)