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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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Schiller.
Das Universum war von jeher mehr als ein Bilderbuch. Seine Bilder waren umrahmt von Betrachtungen, in welchen sich der Geist unserer Zeit spiegelte und die in der Brust seiner Leser einen lauten Wiederhall fanden. Der Schreiber des Buchs scheute sich nicht, die Rolle des trockenen gewissenhaften Cicerone mit der des Predigers zu vertauschen, der so unerschrocken wie unberufen seinen Eindrücken und Eingebungen, die er von dem einen oder andern Bild empfing, die Freiheit der Aeußerung gestattete und dessen Beredsamkeit dennoch es gelang, auch Diejenigen zu fesseln, welchen nur die Schaulust sein Buch in die Hände gegeben hatte. Hat sein Nachfolger auch nur bescheidenen Gebrauch von diesem ererbten Gewohnheitsrecht gemacht, auf dasselbe verzichten will er nicht, am wenigsten, wenn er beim Antritt eines neuen Jahrgangs auf die 20 geschlossenen Bände seines Buchs zurückblickt und auf das sonnig schimmernde Bild vor sich, welches das erste Blatt dieses Bandes schmückt.
Es umfassen jene 20 Jahrgänge eine Zeit gewaltigen Gestaltungsdrangs nach Formen, die der bildende Menschengeist noch nicht gefunden hat, eines Kampfes um Ziele, die noch nicht zum vollen Bewußtsein der Kämpfer gereift sind, einer geistigen und sittlichen Gährung, deren trüber Gischt wie vom jungen Most noch auf der Oberfläche treibt und den prüfenden Kennerzungen noch keinen Wohlgeschmack verrathen will. Die dreißiger Jahre, in denen der Bilderkrämer des Universums seine Wanderung antrat, fanden die zersetzenden Elemente, welche die französische Revolution in die deutsche Ideenwelt geworfen hatte, schon am Boden unserer Zustände gewaltige Verheerungen anrichtend. Der Feudalstaat lag in den letzten Zügen; von der gelösten Zunge fluthete die Verkündigung der Wahrheit und drang zu Ohren und Herzen ein; das Schwert, welches Deutschland von der Fremdherrschaft befreit hatte, ruhte in der Scheide, aber Männer standen auf und zerschlugen mit der Schärfe des Gedankens das morsche Zopfthum, welches an die Stelle der französischen Eroberer zurückgekehrt war. Vorwärts, dem dämmernden Lichte der Freiheit zu! rief’s in den Reihen der Einen, Halt! gebot’s in den Reihen der Andern, die sehnsüchtig rückwärts schauten nach dem entfliehenden dunklen Schatten der Wiege
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 2. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/12&oldid=- (Version vom 14.1.2026)