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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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Unglück der Stadt plötzlich wieder auf: ein Brand legte jene Rivalin Leipzigs großentheils in Asche, und nun verlegten alle fremden Kaufleute, die bisher dort ihre Niederlagen gehalten, ihren Sitz hierher. Das erste Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts erhob Leipzig zur Universitätsstadt, es erhielt eigene Gerichtsbarkeit, sah seinen Schöppenstuhl zu hohen Ehren gedeihen, und während die Hussitenkriege das flache Land verheerten, flüchteten die fremden Kaufleute ihre Waarenlager in seine festen Mauern. Schon damals nahmen die Jahrmärkte an Jubilate und Michaelis den Charakter von europäischen Handelsmessen an. Die Hebung des Meßverkehrs datirt jedoch erst von 1497, wo ein kaiserliches Privilegium der Stadt das Stapelrecht in einem Umkreise von fünfzehn Meilen bestätigte, ja, Kaiser Max I. verlieh ihr 1507 noch ein erweitertes Privileg, weniger aus Liebe zu Leipzig, als um die geistliche Herrschaft niederzudrücken, die in Magdeburg, Erfurt, Merseburg etc. so warm saß. Das war der härteste Schlag für diese Städte zu Gunsten Leipzigs. Daß aber gerade diese Privilegien durch eine Bulle des Papstes ganz besonders gegen jeden Angriff gefeit wurden, sieht wie ein ironischer Streich der hierarchischen Politik aus. Offenbar muß Leipzig in dieser Zeit als ein besonderes Schooskind des Glücks und der Gunst der Mächtigen erscheinen. Es ging wohl vorbereitet den Stürmen entgegen, welche für Sachsen und ganz Deutschland aus der Reformation hervorbrechen sollten.
Es ist natürlich, daß der Handel nicht allein in Blüthe stehen konnte, ohne den Gewerben einen gleichen Flor zu verleihen. Zünfte und Gilden erhielten Vorrechte und standen im höchsten Ansehen. Und wie Leipzig selbst eine Spätfrucht ist unter den deutschen Städten und gleichwohl so gut zeitigt, so ist es auch mit der Buchdruckerkunst erst im Jahre 1480 bekannt geworden und hat in ihr dennoch allen Städten der Erde den Rang abgelaufen. Wie gerade kurz vor der Reformation und in den Reformatoren selbst der nationale Geist in Deutschland sich kräftiger, als seit langer Zeit, regte, so war auch das Schaffen und Streben des Bürgerthums ein erhöhteres. Die meisten deutschen Städte bieten in dieser Beziehung um die Zeit vor den großen Stürmen ein wahrhaft erhebendes Bild.
Da kam der dreißigjährige Krieg mit seinen Schlachten von Breitenfeld und Lützen und den unaufhörlichen Durchzügen, Gefechten, Belagerungen, Brandschatzungen, Plünderungen u. s. w. Die Stadt lag am Ende des Kriegs so tief herabgekommen da, der Meßverkehr hatte so ganz darniedergelegen, die Bevölkerung war so geschwunden, daß wieder viele kleinere und größere Nachbarstädte in Handel und Wandel an Leipzigs Stelle zu treten suchten, und manchen würde dies gelungen sein, wenn nicht im Jahre 1661 Kaiser Leopold I. alle Privilegien der Stadt neu bestätigt hätte. Der Rest des Jahrhunderts verlief ohne äußere Friedensstörung, aber desto reger wirthschaftete der Geist der Herrschaft und Selbstsucht in den Ortsbehörden und Geistlichen der Stadt.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 114. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/124&oldid=- (Version vom 17.1.2026)