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Die Eigenmächtigkeit jener rang mit der Unduldsamkeit und bornirten Verketzerungs- und Verfolgungswuth dieser um den Schandpreis, und es gewannen ihn beide.

Das 18. Jahrhundert begann wieder mit Krieg. Karl XII. verfolgte den neuen Polenkönig, August den Starken, bis in seine deutschen Erbländer. Die klugen Schweden besetzten das friedliche Leipzig und schonten sein Blut, aber an seinem Gelde erfreuten sie sich ein volles Jahr. Man hätte mit den Kontributionen einen tapferen Krieg führen können; aber die Heldenperiode Leipzigs war längst vorüber, seine Festungsmauern gesunken, die Wälle in Promenaden verwandelt. Auch erhoben sich um diese Zeit die noch heute prangenden Prachtbauten der Stadt. Die Verbindung mit Polen führte neue Handelsvortheile herbei und die Zahl der Kaufleute wie der Meßbesucher stieg so sehr, daß im Jahre 1701 der erste Adreßkalender nothwendig wurde.

Hatten das Land Sachsen und die Stadt Leipzig schon unter August „dem Starken“ kein großes Kriegsglück erfahren, wie viel weniger war von seinem Nachfolger, August „dem Schwachen“ zu erwarten. Der Minister dieser gekrönten Null, der berüchtigte Graf Brühl, verschuldete unter tausend anderen dem sächsischen Volke angethanen Uebeln auch die feindselige Stellung Sachsens zu Preußen, und „der alte Fritz“ war der Mann dazu, auf fremdem Boden für seine Kriegskassen zu sorgen. Zu Anfang des siebenjährigen Kriegs 1746 bezahlte Leipzig an Preußen eine Kriegssteuer von 2½ Millionen Thalern, 1756 587,000 Thaler, 1757 2½ Tonnen Goldes und 2,100,000 Thaler, im Jahre 1758 nicht viel weniger, 1759 500,000 Thaler, 1760 300,000 Thaler, und von den im Jahre 1761 geforderten 1,100,000 Thalern und den für 1762 ausgeschriebenen 400,000 Dukaten gewährte der König nur einen Nachlaß. Neben diesen Kriegssteuern wurden noch die übrigen Abgaben und Lasten mit unerbittlicher Strenge beigetrieben, und dazu all die Einquartierungen, Durchmärsche, Krankenverpflegung, Seuchen und alle Leiden der Soldatenrohheiten im eroberten Lande! Das allein hätte genügt, die reichste Stadt zu ruiniren, zumal Leipzig, dem mit Störung seines Meß- und Handelsverkehrs noch besonders zu Leibe gegangen ward.

Fast noch verheerender, wie der Krieg, wurde für Leipzig der nun folgende Friede: das in den großen Staaten Oesterreich und Preußen eingeführte System hoher Schutzzölle sollte auch das kleine Sachsen beglücken! Ja, selbst die Durchfuhr belegte die Plusmacherei dienstwonniger Finanzleute mit schweren Abgaben, schnitt dadurch den Waarenzug von Leipzig sorgfältig ab und beschwerte den Speditions- und Transithandel mit lähmenden Ketten. Machte auch 1768 die Thronbesteigung Friedrich August’s III. solchem selbstmörderischen Treiben der sächsischen Staatsweisen ein Ende, so ward ja der Stadt nicht einmal Zeit genug gelassen, um sich aus der tiefen Verkommenheit ihres Wohlstandes wieder zu erheben, denn ehe nur die so gewissenlos verschütteten Quellen ihres Lebenserwerbs zur Hälfte wieder zugänglich und fließend gemacht waren, brachen die Kriege der