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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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und Erz alle heißen, erheben den Schild vor solchem Gegner: Germania ist’s, die das Einheitsbanner über die getrennten Millionen der Deutschen entfaltet, ihr Adler wird sie führen, ihren Farben werden sie folgen, und es wird die Wahrheit durch drei und dreißig Länder gehört werden müssen: daß die Menschheit aus Nationen besteht, deren höchster Beruf das Emporstreben und Emporheben zum Menschenthum ist, daß dieser göttliche Beruf von keiner Nation reiner erkannt und treuer erfaßt wurde, als von der deutschen, und daß demnach keine Dynastie der Welt sich einbilden darf, ihr Bestehen sei nothwendiger, als das einer solchen Nation.
Zwischen den Thälern des Inn und der Etsch, von der Melserheide hinüber nach dem Brenner, dort auf der südlichen Grenzwacht der deutschen Erde, in Mitten der Central-Alpen-Kette, steigt ein Kranz von Riesenbergen empor, die Spitzen des Oetzthales ummauernd, ein Hochland eigener Natur umschließend, und die höchstgelagerten Gemeinden Europa’s, abgesondert von aller Welt, in sich bergend. Nach außen aber entsendet jene Strahlenkrone eine zahllose Menge eisbepanzerter Aeste und Zweige, zwischen denen die Thäler ihren Weg zur Tiefe suchen. Dieser Gebirgskörper Tyrols ist die Oetzthaler Gruppe, im ersten Rang der Alpenfürsten stehend. Will der Leser uns dahin folgen, so vertrauen wir ihn der kundigen Hand unsers wackern Landsmannes[1] an, der Jahr für Jahr die Alpenwelt durchwandert hat, bis ihm im Abglanz der ewigen Ferner der Scheitel bleichte und auf der abschüssigen Bahn des Lebens ihm der Todesengel plötzlich den Alpstock entriß.
„Wohlgemuth verlassen wir an einem frischen Sommermorgen das Hauptthal der Oetz, um in das Heiligthum dieser hehren Gebirgswelt einzudringen, das, von gewaltigen Bergriesen gehütet, dem forschenden Auge nochnicht einmal eine Thalritze öffnet. Nur das Rauschen eines ungestümen Gebirgsbachs unterbricht die feierliche Stille, in der wir aufwärts steigen. Unvermuthet öffnet sich vor uns eine Lichtung; der Kirchthurm eines freundlichen
- ↑ Adolph Schaubach in Meiningen, † 1850.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 119. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/129&oldid=- (Version vom 17.1.2026)