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Dörfchens ragt aus einem Hain von Obst-, Nuß- und Kastanienbäumen hervor und wunderbar kontrastirt diese überraschende Ueppigkeit mit den finster dreinschauenden starren Felsenzinnen, doch bald hinter den letzten Häusergruppen versperren die Riesen den Weg und das Donnern des Gebirgswassers verkündet, daß es auch einen Kampf mit ihnen zu bestehen gehabt, ehe es seinen Weg thalabwärts errungen. An und über Felsen geht es hinan. Bald gesellt sich zu dem Ernst und der Erhabenheit der Umgebung die Furcht und selbst der Schrecken. Nicht nur die am schmalen, über Bergstürze führenden Pfad errichteten Denkzeichen des Todes, sondern auch die eben erst von Felsmassen verschüttete Straße oder die noch von der verwitterten Wand herabrasselnden Steine beschleunigen unsern Schritt. Von den vielen Brücken, welche den Weg von einer Wand zur andern führen, starren wir in die tief unten wildschäumende Fluth des mächtigen Wassers, wie es seine weißgrünen Gletscherwogen über die Bergtrümmer wirft, welche die beiden es einengenden Thalwände ihm fortwährend entgegen schleudern. Die Brücke erbebt von dem Donner der Wogen und ihr eisiger Hauch durchschauert unsere Glieder. Ueber oder in der Felsenwand, unter deren Schutz wir weiter schreiten, erschreckt uns oft jählings ein Brausen, wie von einem Wildbach, der sich über uns herstürzen will – das neckende Echo des Thalbaches. Doch noch mitten unter dem Toben der Fluthen treten wir plötzlich aus dem Bereiche der Schrecken heraus in ein paradiesisches Gefilde. Die Berge weichen zurück, wohl drei viertel Stunden weit, die eben noch so wilde, nur mit Trümmern und Wogen erfüllte Schlucht breitet sich in eine weite Ebene aus, bis zu einer Meile hinan reicht unser Blick über eine freundliche, mit kleinen Häusergruppen überdeckte Fläche. Eben so freundliche Menschen, beschäftigt mit der Ernte des Flachses, begegnen uns und im Gasthause harrt unser ein Mittagsmahl, besser als wir in dieser von der Welt entlegenen und vergessenen Oase erwarten durften. Kaum verliert sich aber die letzte Häusergruppe, um eine altersgraue Kapelle geschaart, so umdüstern neue Schatten unsern Weg; das finstere Grau der Gneiswände wird nur hie und da vom lichteren Grün der Lärchen unterbrochen. Die Schlucht öffnet sich abermals zu einer kleinen Weitung, doch lacht uns hier nicht die Heiterkeit der eben verlassenen Zone entgegen; hoher erhabener Ernst umschließt die kleine Gemeinde dieses Beckens. Während bis hierher die hohen Bergrücken uns begleiteten, deren eisiger Kamm aus der Tiefe unsichtbar blieb, oder nur hie und da eine Gletscherzunge sich durch eine Schlucht herabstreckte, tritt uns hier, nachdem wir die Vorwerke verlassen, die eigentliche Veste dieser großartigen Alpenburg entgegen: schwarzgraue Giganten, schon in der Tiefe umlagert von großen Schneefeldern, nach oben umeist, im Hintergrunde dick umhüllt vom ewigen Winterkleid. Nur spärlich umziehen noch Getreidefluren den Fuß der Höhen, von denen allerorten Staubbäche niederrieseln, entsprungen aus den Eismassen, welche den Thalrand oft nur in blauen Kanten umsäumen. Wir stehen am düstern Saum jenes mächtigen Gebirgskranzes. Der Himmel trübt sich, die Felsen starren schwarz aus ihren Schneemänteln hervor, vom Wasser benetzt, die