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„Während der Pfaffe sein Gewehr in Stand setzt, um uns für morgen ein seltenes Gericht vorsetzen zu können, treten wir hinaus, das Wetter zu befragen. Eine düstere Winterlandschaft liegt vor uns; frischer Schnee bedeckt das kleine Gärtchen, und der durch die ziehenden Wolken dann und wann lugende Mond malt uns ein Bild, wie es die düsterste Phantasie kaum darstellen kann. Die graue, auf ihrem Vorsprunge beschneite Kirche, unter ihr die wenigen stillen, mit eingesunkenen Kreuzen bezeichneten Gräber; ringsum düsteres Grau, aus dem bald hier, bald dort ein weißes, an den Mond ragendes Berghaupt aufschwebt. Die tiefe Stille, obwohl in einem Dorfe, wird nicht durch Hundegebell gestört; der Aelpler ist schweigsam wie seine Natur; oben im Gebirge birgt er seine Heerde, wohnt dort einsam mit ihr oder kehrt allein und ermüdet in seine Hütte zurück, um sich durch Schlaf zum neuen Tagewerk zu rüsten. Von der Tenne läßt sich kein rhythmischer Taktschlag der Drescher vernehmen, kein Wagen rasselt, es wiehert kein Roß, kein Brüllen des Rindes, kein Jauchzen fröhlicher Burschen erschüttert die Luft in diesen Höhen. Nur ein dumpfes Donnern verkündet bisweilen dem Menschen die Nähe der Fernerwelt. Der mittlerweile herzugetretene Geistliche verkündet aus dem veränderten Wolkenzuge gutes Wetter, und froh der Prophezeihung suchen auch wir das harte Lager, wohl die letzten Wachenden hier oben.“

„Noch vor dem Grauen des Morgens stehen ein paar hochgewachsene Führer bereit, mit langen Alpstöcken und Stricken versehen, um uns auf die äußersten Fühlhörner der Erde, hinaus aus dem Bereich der Menschenwelt zu geleiten. Ein klarer Nachthimmel, an dem die Mondscheibe sich abwärts neigt, empfängt uns beim Hinaustreten. Mit Leichtigkeit geht es die Höhe hinan, hinter welcher die riesigen, jetzt geisterhaft beleuchteten Eisberge sich ausbauen. Um eine nahe Felswand biegend, betreten unsere Füße das blaue Getafel eines Gletschermeeres. Weithin ausgegossen liegt der Ferner zwischen zwei Reihen solcher Schneehäupter, nur sanft ansteigend zum fernen Joch. Indem wir vorsichtig über den ungewohnten Boden wandern und sorgfältig die Klüfte, welche das Mondlicht beleuchtet, umgehen, blickt unerwartet vor uns aus der Tiefe das Bild des Mondes herauf, eine schauerliche Scene aus dem Polarmeer uns vorzaubernd. Eine Schlucht, tief im Gletscher eingewühlt, ist von einem See angefüllt, von blauen, Hunderte von Fußen hohen Eiswänden ummauert. Halb schon vom Wasser zernagt, erheben sich aus der Mitte seines Spiegels zahllose Eisblöcke von den abenteuerlichsten Gestalten, hier ein Obelisk, dort eine Pyramide, hier eine überhängende, jeden Augenblick den Einsturz drohende freistehende Wand, dort ein weiter Bogen, halb vom Mond durchschienen, Alles im Riesenmaßstab der Alpennatur. Die Führer lassen uns wenig Zeit für unser Staunen, um die schwierigsten Stellen noch vor den erweichenden und blendenden Sonnenstrahlen zu erreichen. Nachdem wir den festen Thalgletscher verlassen, geht es seitwärts steil hinan über ein morsches Felsenriff, dann über lockeres Schneeeis, das aber jetzt noch trägt. Die Morgendämmerung verdrängte schon das erblassende Mondlicht. Endlich, nach stundenlangem beschwerlichen Marsch, glauben