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Wir kehren an’s Ufer zurück und erklimmen die Höhe wieder. Dort ragt, dicht vor dem Hufeisenfall, der Tafelfelsen (Table rock), der die prächtigste Ansicht des Katarakts von oben gewährt. Er ist 115 Fuß hoch und ragt mit seinem obern Theile frei in die Luft hinein; nach unten ist er vom Wasser zu einer tiefen Höhlung ausgebrochen und ausgewaschen, über der sich von Zeit zu Zeit Blöcke los lösen und in den Abgrund stürzen. Der Gipfel des Felsen ist glatt wie eine Tafel, und der Blick von da in die Tiefe des Wasserfalls, mitten hinein in die gleitenden, schießenden, stürzenden Wogen, einzig. Dunkelgrün erscheint oben das Wasser und die Sonne spiegelt sich hell in dem steilen Katarakt; etwas tiefer ziehen weiße Schaumstreifen hin und her; unten ist Alles schimmernd weiß, zersplittert in Millionen von Güssen und Tropfen, während den Fuß des Wogensturzes, ewig über- und durcheinander sich wälzend, die weißen Schaumwolken umhüllen. Schaut man über den Fall hinweg nach seinem andern Ende, wo der Thurm steht, so erscheinen auf diesem die Leute auffallend klein und man erkennt daran erst recht, welche ungeheure Wassermasse sich dazwischen hinwälzt und wie hier, gleich wie in den Alpen oder auch in der Peterskirche, alle Höhen und Entfernungen das Auge so unglaublich täuschen. Dies ist wohl ein Grund, weshalb Manche, die mit einer fertigen Vorstellung zum Niagara kommen, beim ersten Anblick seiner Fälle, sich getäuscht finden und erst nach genauerer Betrachtung das Wunder an gewaltiger Macht und eigenthümlicher Schönheit, an welche keine Vorstellung hinanreicht, sich ihnen enthüllt.

Wir dürfen die canadische Seite nicht verlassen, ohne noch einen Gang zu thun – vielleicht den fabelhaftesten, den man auf unserm Erdball machen kann: – die Fahrt hinter den großen Fall. Der Felsen, an dem das Wasser nieder fällt, neigt sich nämlich, wie der Tafelfelsen, etwas über, und da die ganze Wassermasse in einem festgeschlossenen dichten Strom steil niederstürzt, so bleibt unten zwischen dieser und der innern Felswand ein Zwischenraum, in den man, bei gesunden Nerven und guten Augen, mit einiger Vorsicht recht wohl eindringen kann. „Man wird dazu“, erzählt ein Reisender, der diesen eigenthümlichen Gang wagte, „in einem Hause oben auf der Canadaseite ausgerüstet, indem man alle Kleidung sammt Hemd und Schuhzeug ablegt und ölgetränkte Jacken und Beinkleider anzieht. Auf einer Wendeltreppe steigt man aus dem Hause zum Strom herunter und klettert dann mühsam über und durch die Felsblöcke, zwischen Gestein und kochendem Wasser, dem Führer nach. Es kommen aber bald so viele Sturzbäder von oben herab, daß man am ganzen Leibe trieft, und ich fand es bequem, mich des widerwärtigen Matrosenanzugs ganz zu entledigen; nur die groben Filzpantoffeln zog ich wieder an, weil das Gestein unter den Füßen zu scharf war. Die Wasserstürze kamen immer stärker und bald befanden wir uns ganz hinter dem Wasserschleier. Dieser läßt nur ein fahles Licht durch und man fühlt anfangs einen eigenen Schauer, als schreckte die Natur des Menschen zurück, sich so mitten in ein Element zu wagen, in welchem sie nicht leben kann. Wir gingen eine ziemliche Strecke hinter dem Wasser weg, vorsichtig –